Saualpe: erbarmungsloses Mentaltraining von Süd nach Nord

Die Saualpe – sie war das Objekt meiner Trailrunning Begierde an diesem Wochenende. Mit ihren etwas über 2.000m Höhe bietet sich dieser Bergrücken, der sich über rund 20 Kilometer von Nord nach Süd (oder eben umgekehrt) erstreckt, perfekt für meine Skymarathon Vorbereitungen an. Viele positive Höhenmeter, lange Zeit hoch oben, um sich an die Höhe zu gewöhnen und streckenweise anspruchsvolles Gelände. Aber – es kann auch eine Challenge für den Kopf werden…

Die Laufroute zusammengestellt habe ich via Movescount, die ich mir auf meine Suunto Spartan lud. Laut Routenplanung sollten es knapp 1.400 Höhenmeter auf 25,5km werden.

Was ich bei meiner Fahrt zum Ausgangspunkt in Diex noch nicht wusste: Diese Einheit sollte vor allem ein hartes Kopftraining werden. Die Wolken hingen beim Loslaufen bereits tief. Gewitter waren zum Glück nicht angesagt… aber es schien eine nasse Angelegenheit zu werden. Nach knapp 5 Kilometern ging der erste kräftige Regenguss nieder. Auf rutschigem Untergrund lief ich weiter – Balance und Koordination waren gefragt (ok, ab nächster Woche mache ich noch mehr Stabi-Training!).

Mitten im steilsten Abschnitt überraschte mich ein heftiger Graupelschauer. Die kleinen Eiskörner schnalzten auf mich nieder und hämmerten auf meine Gesicht und Hände ein. Als ich oben an der Baumgrenze abkam, hatte die „Nadelstiche“ aufgehört, doch ich verließ den Schutz vor dem nun einsetzenden eisigen Wind.

Klar kommt diese gemeine Frage hoch: warum tue ich mir das bloß an? Aber Umkehren oder Abkürzen waren keine Alternative. Ich wollte und musste weiter. Weiter, über den grasigen Rücken der Saualpe. Ab und zu entkam mir ein Fluch – besonders dann, wenn ich in den schmalen Rinnen oder dem tiefen Boden rutschte oder stolperte. Doch irgendwie ging es weiter. Ja – mir war kalt, ja – die Beine schmerzten. Aber das wird wahrscheinlich auch beim Skymarathon passieren. Wer weiß. Daher: Einfach ein Bein vor das andere setzen. Weiter trieb mich auch die Gewissheit, dass am Klippitztörl – der geplante Endpunkt – mein Mann auf mich wartete.

Kilometer für Kilometer vergingen. Einsam lief ich hartnäckig gegen den Wind. „wenn mich diese Tour nicht umbringt, macht sie mich härter.“ Dieser Satz wird zu meinem Mantra an diesem Tag.

Nach gut 3 Stunden erblickte ich endlich diesen kleinen blauen Punkt am letzten Sattel vor dem Klippitztörl: mein lieber Mann.

Er war mir entgegen gegangen und lief die letzten drei Kilometer mit mir zum Auto. Was für eine Belohnung. Dabei entstand das Video… die Erleichterung auf den letzten Metern sieht man ganz offensichtlich. 🙂

Saualpe Überquerung_1 from Running Zuschi on Vimeo.

Am Ende des Tages waren es dann doch knapp 1.500 positive Höhenmeter… perfekt!

Fazit: Die Saualpe ist ein großartige Trainingsgebiet für Bergmarathons. Anspruchsvolle Anstiege, ein lange Trail auf rund 2.000m Seehöhe und bei schönem Wetter darfst du dich über einen traumhaften Ausblick freuen. Wenn das Wetter nicht so ganz will, kann es ziemlich hart werden – für Körper und Geist.

Auch wenn es zäh war – eine bessere Einheit für mein Vorhaben hätte mir nicht passieren können.

 

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