London Marathon 2015: Zeitreise Frauenmarathon

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Arbeitsplatz

Virgin Money London Marathon – It’s Raceweek! Während die TeilnehmerInnen ihre Füße hochlagern, startet für uns Journalisten der Marathon vor dem Marathon. Dieses Jahr darf ich wieder mit dabei sein… dieses Mal (nur) schreibend. Also – hinter den Kulissen. Das Laufen findet daher in den frühen Morgenstunden statt… und fällt am Renntag (wahrscheinlich) gänzlich flach. Aber: I love my job 🙂

Läufe - mit mir selbst... das ist mein London Laufen...
Läufe – mit mir selbst… das ist mein London Laufen…

Dieser Tage reiht sich ein Pressetermin nach den anderen. Alles über Marathonlaufen auf wenigen Quadratmetern: Pressekonferenzen mit den Top-Athleten, Gespräche mit deren Trainern und Managern sowie Smalltalk mit Kollegen. So sehen meine kommenden Tage aus.

Mittwoch ist traditionell der Damen-Tag. Wobei in diesem Jahr dieser Tag viele großartige Geschichten lieferte. Alles zusammen betrachtet war es eine Zeitreise durch die Frauenmarathon Geschichte.

Die Anfänge

SONY DSC1981 fand der erste London Marathon statt. Am Start stand Joyce Smith. Sie gilt als eine der ersten Wegbereiterinnen des Frauenmarathons. Die Britin vertrat bereits 1972 ihr Land bei den Olympischen Spielen – damals noch über die 1.500m. Dank der AVON Frauenläufe kam sie zum Marathon und beeindruckte die Laufwelt mit Top-Zeiten – und das mit weit über 40 Jahren! Ein Jahr später, 1982, gewann sie erneut in London und stellte mit 2:29:43 (im Alter von 45! Jahren) ihre persönliche Bestzeit auf. 2007 lief sie nochmals – Schulter an Schulter mit ihrer Tochter – den London Marathon. „Doch das war mir viel zu langsam. Ich hörte dann auf damit.“ Sie wird am Sonntag wieder an der Strecke stehen und sich über die vielen Teilnehmerinnen (37% Frauen!) freuen. Die Frauenspitze zu verfolgen ist ihr jedoch zu langweilig: „Leider sind nur noch sehr wenige Nationen im Kampf um den Sieg involviert. Das finde ich schade. Es wäre toll, wenn Europäerinnen wieder mitkämpfen könnten.“

Die Gegenwart

Sie ist die lebende Legende im Langstreckenlaufsport: Paula Radcliffe. Mit ihrem Weltrekord (2:15:25) schrieb sie im April 2003 Geschichte. Bis heute kam keine Läuferin auch nur in die Reichweite dieser Zeit. „Ich war in fast perfekter Verfassung. Daher lief ich die ersten Kilometer hart. Ich wollte einfach wissen wie schnell ich laufen kann.“ Am Sonntag kehrt sie nach einer fast dreijährigen Verletzungspause wieder zurück und möchte mit einem beherzten Lauf durch ihr geliebtes London Abschied von ihrer Profikarriere nehmen. Sie verzichtet bewusst auf einen Startplatz im Elitefeld und wird um  10.10 Londoner Ortszeit mit der Masse in Greenwich losstarten. „Ich möchte natürlich schnell laufen. Wobei mein Körper das Tempo vorgeben wird. Gleichzeitig möchte ich natürlich auch die Atmosphäre genießen und mit einem Lächeln über die Ziellinie laufen.“ Dort muss sie auch hin, denn im Ziel wird ihr der John Disley London Marathon Lifetime Achievement Award verliehen.

„Ich bin auf meine 25jährige Karriere stolz und gleichzeitig auch sehr dankbar dafür. Ich hatte mehr Ups als Downs,“ resümiert sie. Mit ihrer gewinnenden Art und gleichzeitig beinharten Kämpfernatur inspirierte sie unzählige Frauen. Wer sie zu ihrer Marathonkarriere inspiriert hatte und in ihrer Vorbereitung mentierte, das verriet sie mir. Einfach reinhören!

Die potentiellen Siegerinnen 2015

Paula, die Große, inspirierte auch jene Damen, die als Favoritinnen in das sonntägige Rennen gehen. Als die „Fantastic Four“ wurden sie bereits über Wochen angekündigt:

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  • Edna Kiplagat (2fache Weltmeisterin, London Marathonsiegerin 2014, 2:19:50)
  • Mary Keitany (2malige London Marathon Siegerin, 2:18:37)
  • Florence Kiplagat (2x Berlin Marathon Siegerin, Halbmarathon Weltrekordhalterin (65:09), 2:19:44)
  • Priscah Jeptoo (London Siegerin 2013, Vize-WM 2011, 2:20:14)

In der heutigen Pressekonferenz zeigten sie sich wie immer zurückhaltend und bedeckt. Alle vier Kenianerinnen haben das Zeug zu gewinnen. Die beste Taktik und der finale Zielsprint werden wohl die entscheidenden Faktoren sein.

Sie sind eine neue Generation an Marathonläuferinnen. Sie liefern ausschließlich mit ihren sportlichen Leistungen Storys. Ihnen Persönliches oder fern dem Laufsport zu entlocken ist fast unmöglich.

Die Zukunft

Über die wird natürlich unter uns Journalisten immer und immer wieder spekuliert. Wer wird Paula’s Weltrekord knacken, wer wird den ostafrikanischen Läuferinnen die Stirn bieten, wie geht es mit dem Frauenlaufsport weiter? Fragen über Fragen.

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Immer ein großes Vergnügen mit einem meiner großen Journalisten Vorbilder, Roger Robinson, zu diskutieren

 

Mögliche Antworten…

  • Es braucht mehr Frauen wie Paula, die Mut zeigen Risiko einzugehen. Und das funktioniert nur, wenn sie nicht um ihre Preisgelder zittern müssen (um zu überleben).
  • Es braucht Vielfalt an der Spitze des Frauenlaufsports, um wieder vermehrt Mädchen aus allen Erdteilen zu animieren mit dem Laufsport zu beginnen.
  • Es braucht weibliche Coaches und Mentorinnen, die diese Athletinnen sicher durch die unruhigen „Gewässer“ führen.
  • Es braucht Courage sich dem Gegenwind (inkl. Doping) zu widersetzen.
  • Ach ja – und wer gewinnt das Frauenrennen am Sonntag? Darüber sind wir uns alle uneinig. Unser gemeinsamer Nenner: wir wünschen uns ein spannendes Rennen – der Marathon soll glänzen!

Fotocredit: Horst von Bohlen

2 comments on “London Marathon 2015: Zeitreise Frauenmarathon

  1. Ich war sehr überrascht, als ich hörte, dass Paula tatsächlich Abschied nehmen möchte. Aber ich bin mir sicher, dass wir hier und da immer mal wieder etwas von ihr hören werden.

    Ich wünsche euch ganz viel Spaß in der Stadt, einen großartigen Sonntag und freue mich jetzt schon, beim Frühstück auf das Läuferfeld im TV schauen zu können.

    1. Paula wird der Marathonwelt auf jeden Fall erhalten bleiben… in welcher Funktion, das wird sich in den nächsten Wochen weisen… denn sie selbst weiß es auch noch nicht 🙂
      Viel Spaß beim Zuschauen… wird sicher wieder super-cool!

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