Laufen in Iten: das Kenianische Laufmekka

Iten: Ein Ort, der bis Anfang der 90er Jahre des vorigen Jahrhunderts in aller Abgeschiedenheit die erste Generation der Weltbesten LangstreckenläuferInnen hervorbrachte. An der Klippe des Rift Valleys auf knapp 2.400 Seehöhe gelegen, ist es gerade zu prädestiniert für Ausdauerathleten. Warme Temperaturen, welliges bis flaches Terrain und grüne Felder, auf denen naturbelassene Lebensmittel gedeihen, ergänzen die meisterliche Mischung. Heute zieht das Laufmekka Athleten aus allen Landesteilen an. In der Hochsaison (Jänner – April) treiben sich bis zu 800 Sportler in Iten herum.

Iten Rudisha
Wo Läufer unter einfachsten Bedingungen zu Weltmeistern werden… und jeder zusehen kann 🙂

Immerhin kommen oder leben o gut wie alle erfolgreichen kenianischen Langstreckenläufer  in dieser Gegend: Lornah Kiplagat, Edna Kiplagat, Wilson Kipsang, Mary Keitany, Florence Kiplagat, Vivian Cheruiyot, David RudishaLinet Masai und viele viele mehr.

Somit war es ein MUSS bei unserem Kenia Trip in Iten vorbei zu schauen. An den Ortseinfahrten zeigt sich Iten stolz und selbstbewusst: „Welcome to Iten – Home of Champions“ ist auf dem Ortsbogen zu lesen. Auf den breite, roten Wegen neben der Straße kommen uns bereits die Läufer entgegen. IMG_3781

Unter die unzähligen kenianischen Läufer mischen sich auch Europäische und Amerikanische Athleten. Sie haben die Vorzüge dieser Trainingslocation für sich entdeckt. Während in Europa Kälte und Schnee das Sagen haben, warten in Iten Sonne und angenehm warme Temperaturen (die durchaus bis zu 30° ansteigen können!).

Lornah Kiplagat’s High Altitude Training Center in Iten: 1. Adresse

Wir steigen im HATC von Lornah Kiplagat ab. 70 Athleten finden in dem großzügig angelegten Areal Platz. Häufig mieten sich Profiathleten mehrere Monate hier ein – wohl deshalb, weil es sich hier (fast) wie zu Hause anfühlt.

Auch wir fühlen uns sofort wohl. Es herrscht eine entspannte Stimmung – jeder grüßt jeden und man kommt ins reden. Zahlreiche bekannte Gesichter queren unseren Weg, doch alle begegnen uns auf Augenhöhe – „How are you?“ Briten, Kanadier, Amerikaner, Deutsche, Türken, Niederländer… Läufer und Triathleten aus aller Welt sind hier. Doch keine Sorge – du musst kein Profi sein, um hier wohnen zu können. Im Gegenteil: jeder ist herzlich Willkommen und wird auch so aufgenommen!

Kein Wunder… dieses Trainingscamp bietet wirklich alles was Läufer brauchen: sämtliche Laufwege direkt vor der Haustüre, Vollpension, hochwertig ausgestatteter Kraftraum + Gymnastikraum, Physiotherapeuten, Swimming Pool, Sauna, Radverleih, Wasserservice UND äußerst zuvorkommendes Personal!

HATC Kiplagat
Welcome to Lornah’s place!
HATC Iten
25m Pool – super zum Schwimmen und Aqua Joggen… By the way: Gürtel gibt es zum Ausleihen!
HATC Iten
Fast wie Urlaub… am Pool und nur wenige Schritte bis zum Zimmer.
HATC
Lounge, wo sich nach dem Essen viele Athleten gemütlich zusammensetzen
HATC
Dining Room – die wohl wichtigste Location im ganzen Camp 🙂 Hier gibt es frisch zubereitet: Frühstück, Jause, Mittagessen, Jause und Abendessen. Und die Zutaten kommen alle aus Lornah’s Farm! Bio – versteht sich!
HATC Iten
Die Zimmer sind reihen sich aneinander – jeder hat Zugang zum gepflegten Garten…
HATC
Großzügige Trainingsräume
HATC
Gymnastikraum
HATC Iten
Die „Folterkammer“ – wo wirklich kein Gerät fehlt!

2014 wurde die Tartanbahn von Lornah’s Sports Academy eröffnet. Sie liegt rund 2 Kilometer außerhalb von Iten und kann von den Campbewohnern kostenlos benützt werden. Wer nicht im HATC wohnt, bezahlt einen Aufpreis und kann ebenfalls darauf trainieren.

Lornah Kiplagat Sports Academy
Das Tor zu einer der schönsten Trainingsstätten – zumindest in Kenia. Nur laufen muss man selbst! 🙂
Iten Laufbahn
Traumhafte Stimmung

 

Iten Laufbahn
Schnelles Oval

Zwei weitere Österreicher haben bei Lornah ihre Zelte aufgeschlagen: Thomas Summer verbringt bereits die fünfte Woche hier in Iten und nützt die hervorragenden Bedingungen, um sich auf einen schnellen Frühjahrsmarathon vorzubereiten.

Thomas nutzt nicht nur die Camp – Infrastruktur – er macht sich der unglaublichen Dichte an starken Läufern zunutze.

Thomas Summer
Den Kenianern auf den Fersen… Der Vorarlberger Thomas Summer

Kenianische Trainingsroutine

Anstatt in einzelnen abgekapselten Gruppe für sich zu trainieren, entwickelte sich über die Jahre ein einfaches Programm, das sich gebetsmühlenartig Woche für Woche wiederholt. Wenn es für einen passt, schließt man sich den Läufern an.

Montag: 6am, Tempo Run über ca. 20K
Dienstag: Bahntraining auf der Aschenbahn im Kamariny Stadion
Mittwoch: easy runs (da läuft fast jeder für sich)
Donnerstag: 9am Fartlek über ca. 15K, entweder 25x (1min schnell – 1min langsam), 17x (2min schnell – 1min langsam) oder 15x (3min schnell – 1min langsam)
Freitag: 6am lockerer Morgenlauf
Samstag: Long Jog auf der Moiben Road (ca. 10K außerhalb von Iten – in Richtung Eldoret)
Sonntag: verdienter Ruhetag 🙂

Wie so ein Fartlek Lauf durch das Hinterland aussieht… sieh es dir einfach selbst an…

Thomas schloss sich dem Bulk an – und schlug sich wacker. Zudem scheint er sehr davon zu profitieren. Die Athleten motivieren und treiben einen voran. Selbst die absolute Weltspitze (Wilson oder Florence) nutzt immer wieder die Möglichkeit bei diesen Trainings mitzulaufen.

Ein weiteres Highlight sind die Track Sessions jeweils Dienstags und Donnerstags morgens. Dann finden sich mehrere hundert Läufer im Kamariny Stadion ein und ziehen ihre Runden.

Kamariny Stadion
Wo sich die Athleten den notwendigen Speed bzw. Kick holen…
Kamariny Stadion
Abertausende Beine formten eine tiefe Rinne…

WICHTIG: die Verpflegung

Wer viel läuft, braucht auch eine gehörige Portion an Essbarem. Nahrhaftes und frisch zubereitete Speisen gibt es rund um die Uhr im HATC. Wichtige Sache: sämtliches Gemüse wird mit Trinkwasser gereinigt und alle Speisen werden ebenfalls mit abgepacktem Trinkwasser zubereitet. Man möchte auch hier nichts dem Zufall überlassen!

Zum Frühstück gibt es Brot, Ei-Speisen, Obst, Porridge und sämtliche Getränke (Tee, Kaffee, warme Milch…) Besonders beliebt sind die frisch gebackenen Brötchen, die es zur Vormittags- und Nachmittags-Jause gibt. Mittags und Abends gibt es viel Gemüse, natürlich Ugali und Chapati und auch Fleisch.

Wer Abwechslung sucht oder einfach noch immer nicht genug hat, kann im direkt ans Camp angrenzenden Iten Club einkehren und kräftig zuschlagen. Neben gesunden Sachen, gibt’s auch Burger und Pommes 🙂

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Karotten-Ingwer Suppe – kann ich sehr empfehlen 🙂

An den Marktständen in Iten gibt es Bananen, Ananas, Avocados, Mangos… und vieles mehr. Ein Paradies – zu günstigen Preisen.

Laufrouten und Laufpartner

Rund um Iten gibt es unzählige Laufrouten – von flach bis wellig. Alles was das Herz begehrt. Die Wege lassen sich unterschiedlich kombinieren. Am besten man schließt sich einer Läufergruppe an. Viele Athleten – darunter die Schnellsten der Welt – treffen sich zwischen sechs und sieben Uhr früh an der Ortseinfahrt direkt vor dem HATC. Dort fragst du die Athleten, welche Pace sie laufen und schon bist du dabei. Keine Sorge – es gibt viele Gruppen, die einen lockeren Lauf machen und sich gerne ausländischen Gästen annehmen. Es spielt auch keine Rolle wie schnell du bist, bzw. wen du ansprichst… Hier gibt es keine Hierarchie – jeder läuft mit jedem! So lernst du nicht nur die Laufwege, sondern auch neue Lauffreunde kennen.

Wenn du für dich laufen möchtest, dann folge einfach dem Läuferstrom. Und laufe einfach dahin und genieße die einzigartige Natur und das Feeling. Solltest du dir wegtechnisch unsicher werden – einfach die Läufer fragen. Sie geben gerne Auskunft.

Weitere Wohnmöglichkeiten in Iten

Neben dem HATC gibt es noch zwei weitere Hotels, in denen Läufer absteigen. Zum einen das Kerio View, eher ein Urlaubsresort, das etwas abgelegen liegt. Hier zieht u.a. gerne Christian Pflügl ein. Oder das Keellu Resort Center, dessen Besitzer kein geringerer als Wilson Kipsang ist. Es liegt ebenfalls etwas außerhalb von Iten, direkt auf der Straße zum Kamariny Stadion.

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