Run2gether: Thomas Krejci erzählt…

Kiambogo – rund 90 Minuten von der kenianischen Hauptstadt Nairobi entfernt. Hier, auf dem Hang gegenüber des Mt. Longonots befindet sich das Run2gether Camp. Sechs Tage durfte ich hier verbringen, gemeinsam mit kenianischen Läufern und Gästen aus Österreich und Deutschland. Wir lachten, wir liefen, wir aßen gemeinsam. Eine einzigartige Möglichkeit, um das alltäglich kenianische Läuferleben hautnah kennen zu lernen. Mein Rückblick auf diese bewegten Tage findest du HIER.

_DSC6923
Laufen mit den Run2gether Athleten macht immer Spaß!

 

Wie dieses Laufcamp entstanden ist und was Läufer dort erwartet… das schilderte mir am der Initiator und Obmann von Run2gether, Thomas Krejci.

Thomas, was war dein Ziel bei der Gründung des Vereins Run2gether?

Ich verbrachte 2008 drei Monate hier bei Geoffrey Ndungu und seiner Familie. Aus vielen Gesprächen und Begegnungen heraus entstand da diese Idee: ich wollte die Region und deren Bevölkerung auf Basis des Laufsports unterstützen. Sie sollte eine neue Perspektive bekommen, um ihren Lebensunterhalt zu verdienen. So entstand im ersten Schritt der Laufverein Run2gether.

_DSC5976
Geoffrey mit seiner Frau. Dank seiner Lauferfolge konnte er sich ein neues Heim für seine Familie bauen.

Es war mir von Beginn an ein Anliegen Europäern die Möglichkeit zu eröffnen einen Einblick in diese fremde und zu gleich faszinierende Kultur zu gewähren. Ich möchte mit diesem Projekt keine „Einwegsgeschichte“ forcieren, bei der Spenden von westlichen Ländern nach Afrika fließen. Europäer bekommen die Chance, Neues für sich persönlich mitzunehmen – sei es auf sportlicher oder menschlicher Ebene. Die Möglichkeit dazu haben sie bei den Run2gether Camps in Österreich, als auch hier in Kenia.

Was war die Grundmotivation zum Bau dieses kenianische Camp hier in Kiambogo?

Wir – mein Freund Geoffrey und ich – wollten die Trainingsbedingungen für unsere kenianischen Athleten verbessern. Gleichzeitig bot sich diese neue Infrastruktur an, europäischen Gästen einen noch intensiveren und realeren Einblick in das kenianische Leben zu ermöglichen, als es auf der Turracher Höhe umsetzbar ist.

Wann wurde das Camp errichtet?

Die Bauphase dauerte von Jänner bis November 2010. Im Jänner 2015 erfolgte die Fertigstellung des Ausbaus um einen weiteren Athletentrakt sowie drei neuer Gästezimmer.

1. Bauphase des Camps Credit: Run2gether

Wie wurde der Bau finanziert?

Durch Spendengelder, Anteile der Preisgelder der Athleten sowie durch Sponsoren.

Wie viel Platz bietet das Camp?

Wir verfügen über 5 4-Bett und 3 2-Bett Zimmern, also in Summe über 26 Gästebetten und Unterkunft für rund 30 kenianische Athleten.

Wer betreibt das Camp? Wer sorgt für einen reibungslosen Ablauf?

Im Camp arbeiten 10 Angestellte, darunter ein Trainer mit IAAF Lizenz, der bereits als kenianischer Nationalcoach tätig war, drei Köche, Security, Reinigungspersonal und ein Sekretär. Der Großteil der Mitarbeiter sind ehemalige Läufer, denen wir nach ihrer aktiven Karriere eine neue berufliche Perspektive anboten.

SONY DSC
Trainer Josef, der sich wohl um die Run2gether Athleten, als auch die Campteilnehmer kümmert.

Denn unser erklärtes Ziel ist es, Athleten des Run2gether Teams nach ihrer Laufkarriere, Jobmöglichkeiten – sei es als Angestellter, Trainer, Physiotherapeut oder ähnliches – innerhalb des Run2gether Projekts anzubieten.

Was macht das Run2gether Camp in Kiambogo so einzigartig im Vergleich zu den bekannten Lauforten in Kenia?

Das Besondere ist sicherlich die Möglichkeit den kenianischen Läuferalltag hautnah mit zu erleben. Unsere Gäste wohnen Tür an Tür mit den Athleten und können mit ihnen Freundschaften schließen. Zudem steht ihnen eine 1:1 Begleitung durch einen kenianischen Läufer zur Verfügung, mit dem sie ihr eigenes, individuelles Trainingsprogramm umsetzen können. Wer möchte, kann sich aber auch dem Programm des Camp-Trainers anzuschließen.

SONY DSC
Hautnah bei den kenianischen Läufern mit dabei!

Ebenso haben wir hier ein anderes Laufterrain wie etwa in Iten. Es gibt Laufstrecken in unterschiedlichen Höhen von 2000-2700m. Für Marathonläufer – flache Strecken auf 2.100m Seehöhe, für Berg-und Trailläufer unzählige Trailpfade im kupierten Gelände auf bis zu 2.700m. Die neu errichtete 400m Aschenbahn kann von allen Athleten kostenlos genutzt werden.

Run2gether Laufcamp
Ruhe und Abgeschiedenheit in Kiambogo

Was mir persönlich sehr gut gefällt: Kiambogo liegt abgeschieden, fern von Verkehr und Lärm. Es eröffnet die Möglichkeit authentisch das kenianische Leben zu entdecken. Durch die Abgeschiedenheit können sich unsere Gäste ohne Bedenken frei in der Umgebung bewegen und sich sicher fühlen.

Wir wollen uns aber auch mit der authentischen, regionalen Küche von anderen Camps abgrenzen.

Was kommt im Run2gether Camp auf den Tisch?

Wir versuchen sowohl die Unterbringung als auch die Verpflegung so authentisch wie möglich zu halten. Es gibt keine Speisekarte, sondern es kommt täglich ein frisch zubereitetes Gericht auf den Tisch. Es sind nicht nur typisch lokale Gerichte, sondern auch die kenianischen Läuferspeisen, wie Ugali, Chapati (ken. Fladenbrot), verschiedenste Gemüsegerichte und frische Salate.

IMG_3773
Hauptgericht: Ugali… homemade!

Zum Frühstück servierten wir zudem Süßkartoffeln, Kassawas und regionales Obst wie Mangos, Ananas und Bananen. Alle Zutaten kommen aus dem eigenen Garten oder von regionalen Bauern rund ums Camp. Sollten Gäste individuelle Wünsche haben, gehen unsere Köche natürlich darauf ein.

Wie wird das Camp finanziert?

Zum Großteil durch die Einnahmen aus den Laufwochen auf Turracher Höhe und den individuellen Buchungen in unserem Camp. Auch die Athleten tragen durch einen Anteil ihrer erlaufenen Preisgelder zur Erhaltung bei.

Run2gether ist nicht nur ein Sportverein, sondern auch stark sozial orientiert.

Soziale Aktivitäten waren von Beginn im Fokus. Wir wollen Arbeitsplätze in Kenia schaffen, etwa durch das Camp, um den Menschen einen Lebensunterhalt zu bieten. Wir investieren auch in die Bildung. Gleich neben dem Camp betreiben wir eine Nursery School für sozial benachteiligte Kinder und Waisen.

_DSC5872
Schaffen sich die Basis für eine schulische Bildung: die 30 Schüler der Run2gether Nursery School

So bekommen sie überhaupt die Möglichkeit eine schulische Laufbahn einzuschlagen. Und: durch Patenschaften für Kinder der Primary und Secondary School versuchen wir deren schulische Ausbildung zu finanzieren.

Wie sehen eure weiteren Projekte aus?

Die Fertigstellung der Laufbahn war ein Meilenstein in unserem Projekt. Damit können wir zukünftig talentierte Jugendliche aus der Region fördern. Mit Unterstützung der Direktoren der örtlichen Schulen sind erste Projekte im Anlaufen, die in den kommenden Jahren zu einer Etablierung einer gezielten Förderung sowie Trainingsmöglichkeit für Talente führen soll.

_DSC5762
Mit einem Scouting Programm in den umliegenden Schulen sollen Lauftalente unterstützt werden

Man muss bedenken, dass eine Laufbahn in Kenia alles andere als selbstverständlich ist. Städte, mit weit über 50.000 Einwohnern, wie etwa die nahegelegene Stadt Naivasha verfügt über keine 400m Bahn – und das in Kenia! Athleten mussten bis jetzt in die zwei bzw. drei Stunden entfernten Städte Nairobi oder Nakuru ausweichen.

Was hat dich so fasziniert, dich so intensiv in Kenia zu engagieren?

Die Möglichkeit mit geringem, finanziellen Aufwand das Leben vieler Menschen positiv beeinflussen zu können.

Vielen DANK für die Informationen und weiterhin alles alles Gute!

Lust auf mehr? Wer einen ersten Einblick auf das kenianische Läuferalltag gewinnen möchte und davon profitieren möchte, kann dies bei den Run2gether Laufwochen auf der Turracher Höhe von Mitte Juni bis Mitte September erleben.

Ansonsten kann ich nur empfehlen: rein ins Flugzeug und ab nach Kenia! Es zahlt sich auf jeden Fall aus!

2 comments on “Run2gether: Thomas Krejci erzählt…

    1. Das freut mich 🙂 Thomas ist ein unglaublicher Arbeiter, der mit viel Leidenschaft dieses Projekt vorantreibt. Und es ist wunderschön zu sehen, was er in dieser kurzen Zeit alles erreicht hat! Ich kann dir nur empfehlen einmal in Kiambogo vorbei zu schauen!!!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.