Die laufende Hüttenwirtin von der Seiser Alm

„Als ich begann auf der Seiser Alm regelmäßig zu laufen, schüttelten die meisten Einheimischen verständnislos den Kopf,“ lacht Helga. Heute, gut zehn Jahre später, ist die laufende Wirtin von der Rauchhütte auf der Seiser Alm regelrecht eine Institution geworden.

Rauchhütte Seiser Alm
Ein Juwel auf der Seiser Alm: die Rauchhütte

Die Rauchhütte liegt malerisch inmitten der größten Hochalm Europas. Tritt man vor die Tür, eröffnet sich ein traumhafter rundum Blick auf die umliegenden Dolomiten – vorne weg der Platt- und Langkogel, dahinter das Sella Massiv. Hier, auf fast 2.000m Seehöhe, liegt Helga Lageder ein Laufparadies zu Füßen. Und das nützt sie – sechs Mal die Woche, 52 Wochen im Jahr.

Wenn Helga übers Laufen spricht…

Dann beginnen ihre Augen zu glänzen und ein ganz besonderes Lächeln kommt ihr über die Lippen. Das schlussendlich Gesprochene bestätigt: ja, sie liebt es, das stundenlange dahin schweben über die Almen.

Helga Lageder
Ein Gespräch mit Helga…

„Ich spüre dann die Kraft der Berge.“

Zum Laufen begann die Südtirolerin in der Schule. Ehrgeizig arbeitete sie sich in die Schul-Laufstaffel vor. Harte Arbeit, die immer wieder belohnt wurde: „ich hatte mir in den Kopf gesetzt, diesen schönen Rucksack zu gewinnen. Und den bekam ich dann schlussendlich auch.“

Ihr Streben brachte sie zu den Junioren Cross Weltmeisterschaften, zu internationale Rennen und nationalen Titeln. Ihre damaligen Spezialstrecken: 1.000 bis 3.000m. Eine Achillessehne-Verletzung ließ sie vorerst in „Läuferinnen-Pension“ gehen. Sie heiratete Andreas und brachte zwei Kinder zur Welt. Als diese aus dem Gröbsten draußen waren, und das 29. Lebensjahr auf sie zukam, dachte sie sich: „Ich möchte meine Laufkarriere mit einem ersten und letzten Marathon abschließen.“

Marathonfieber

Gedacht, getan: Sie startete beim Frankfurt Marathon. Sie lag gut im Rennen. Eine Zeit unter drei Stunden war realistisch. Bis Kilometer 41, dann passierte dieser blöde Sturz. Aus der Traum, die magische Grenze zu überschreiten. Nach drei Stunden und einer Minute querte sie die Ziellinie – und eines war klar: sie wollte mehr! Somit kann sie heute getrost sagen: es war großes Glück, dieser Sturz, denn sonst hätte sie die Marathonschuhe gleich wieder an den Nagel gehängt… und das wäre schade gewesen!!

Helga Lageder Laufen
Ihre jährliche Bestenliste… die sich sehen lassen kann 🙂

„ich musste das langsame Laufen lernen.“

Konsequent erledigte sie ihre Lauf-Hausaufgaben. Und das tat sie mit Bravour. Arbeit, die sich bis heute lohnt. Mittlerweile hat sie 29 Marathons in den Beinen. Die drei Stunden Marke unterbot sie bereits mehrmals, sammelte Siege und wertvolle Medaillen. Besonders gerne denkt sie an ihren Athen Marathon zurück. „Ich startete sehr vorsichtig auf dieser schweren Strecke los. Ab Halbmarathon begann ich das Feld von hinten aufzurollen – und beim letzten schweren Anstieg lief ich mitten im Frauenelite – Feld.“ Sie belegte den ausgezeichneten 8. Rang.

Helga Lageder
Bilder und Medaillen, die von einem einzigartigen Läuferinnen Leben erzählen

„ich habe jetzt endgültig das Genusslaufen für mich entdeckt.“

Platzierungen und Bestzeiten wurden in den letzten Jahren immer nebensächlicher für sie. Der Leistungsdruck ist Geschichte. „Ich sauge die Natur auf und genieße jeden Schritt auf unserer Alm.“

Gleich bei welchem Wetter – ob Schnee oder trockene Erde – sie läuft gegen 8/8:30 morgens los. „Zuerst erledige ich die wichtigsten Arbeiten in der Hütte. Dann hab ich ausreichend Zeit fürs Laufen. “ Voll Stolz steht sie ab Mittag täglich – außer Mittwochs – in der Küche und bereitet hausgemachte Spezialitäten zu. „Wenn viel los ist, unterstütze ich meinen Mann im Service.“

Helga liebt gutes Essen. Und so wird in der Rauchhütte auch nur das Beste kredenzt. Und die Köstlichkeiten sind regelrecht für Läufermägen gezaubert: Polenta, frische hausgemachte Nudeln, Kaiserschmarren, mageres Hirschgulasch, Knödel, Apfelstrudel… Sie selbst tankt ebenfalls mit Südtiroler Speisen ihre Energiespeicher voll. Die Rezepte dafür hat sie von ihrer Großmutter. Ebenso wie die Rauchhütte selbst. „Meine Großmutter hat sie an meine Eltern und diese an mich übergeben.“

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Was nehmen wir denn heute… 🙂

Das Lebenselixier Sport der Familie Lageder

Auch heute hilft die ganze Familie mit – die 17jährige Tochter und der 18jährige Sohn sind genauso im Einsatz, wie Andreas ihr Mann. Dieser hat – ebenso wie seine Frau – eine ganz besondere Leidenschaft: Pferde.

Während Helga ihre Laufrunden auf der Seiser Alm dreht, ist er am Rücken der Pferde unterwegs. ein Mal im Jahr richtet er auch den Oswald von Wolkenstein-Ritt aus – ein spannender, aber vor allem verletzungsfreier und ritterlich fairer Wettkampf mit 4 mittelalterlichen Spielen: Ringstechen am Kofl in Kastelruth, Ritt im Labyrinth am Matzlbödele in Seis, Hindernisgalopp am Völser Weiher und Torritt in Völs am Schlern auf Schloss Brösels. Mehr Infos zu dieser Veranstaltung findest du HIER

Credit: Seiser Alm

Helga’s Lauftipps 

Helga auf ihrer geliebten Seiser Alm Credit: Seiser Alm Marketing

LäuferInnen, die bei Helga vorbeikommen, gibt sie gerne Tipps zum Laufen auf der Seiser Alm weiter.

  • Ideal zum Einstieg ist der Hans und Paula Steger Weg. Er beginnt flach und geht dann in welliges Gelände über. Zudem hat man einen wunderschönen Ausblick auf die Alm. Ich freue mich jedes Mal dort zu laufen.
  • Zum Kraft tanken empfehle ich den Viktor Röthlin Track. Da gibt es einige kurze kräftige Anstiege, auf denen sich ideale Bergaufsprints umsetzen lassen.
  • Wenn ich auf der Seiser Alm einen ruhigen Long Jog mache, dann laufe ich mehrmals die asphaltierte Straße zwischen Compatsch und dem Gasthof Ritsch. Dort ist es flach – man kann sein Tempo sehr gut halten.
  • Viele LäuferInnen, die zum ersten Mal auf der Alm trainieren, laufen viel zu schnell, im gewohnten Schritt los. Sie unterschätzen die Höhe. Mein Tipp: fangt ruhig und langsam an, dann gewöhnt ihr euch besser an die Höhe.
  • Ein Mal pro Jahr laufe ich über den Schlern. Ich starte über das Hotel Panorama los, laufe die Rosszähne hinauf. Von dort führt der Weg geradewegs zum Schlern Haus. Der Weg Nr. 1 führt dann wieder zurück ins Tal. Achtung: vor allem am Schlern Rücken gibt es viele Kalksteine… lauft vorsichtig!
  • Tempoeinheiten laufe ich am liebsten am Völser und Huber Weiher. Dort ist es flach – und ich liebe dieses Areal am Fuße des Schlern.

 

Es lohnt sich in vielfacher Hinsicht bei Helga und Andreas einzukehren… nicht nur um köstliche Speisen zu genießen… ein Tratsch mit den beiden ist ebenfalls ein ganz besonderer Genuss!

Die Rauchhütte hat Sommer (Mai bis November) wie Winter (Weihnachten bis Ostern) täglich – außer Mittwoch – geöffnet.

Viel Spaß und viiiiiel Genuss!

6 comments on “Die laufende Hüttenwirtin von der Seiser Alm

  1. Hallo Running Zuschi,
    dieses Wochenende war ich mit meinem (Lauf)Kollegen oben auf der Seiser Alm.
    Haben auch die Helga in der Rauchhütte besucht und sehr lecker dort gegessen.
    Ein Foto mit Helga ist ebenso rausgesprungen.
    Vielen Dank für deinen Bericht. Aufgrund deines Berichtes habe wir überhaupt die Idee bekommen dort zu laufen.

    Gruß

    CN

    1. Hallo Chris!
      Entschuldige meine späte Antwort… Das freut mich RIESIG!!! 🙂 ist schon eine feine Sache dort oben auf der Seiser Alm! Und wer viel läuft, braucht eine adäquate Stärkung…!!!
      Ich hoffe ihr habt euren Aufenthalt in vollen Zügen genossen… wo seid ihr überall gelaufen???
      Herzliche Grüße

  2. Howdy Zuschi 😉 tja, dann werd ich versuchen es im September einzurichten da mal hinzukommen – da jucken glatt die Haxen. Wir sehen uns nächste Woche. LG Wolle

  3. Da bekommt man ja richtig Lust auf den Herbsturlaub! Wir kommen wie immer Ende September. Liebe Grüße von Müllers vom Bodensee!

    1. oh… da habt ihr ja noch was Wunderschönes vor euch!!! Genießt die Zeit… und gönnt euch so manche Leckerei da oben auf der Alm!
      Herzliche Grüße vom Wörthersee

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