Rifugio Pralongià: Almurlaub über den Wolken…

…und manchmal mitten drinnen – nämlich dann, wenn die Wolken das Hochalm Plateau über dem Badia Tal (Südtirol) umhüllen. Genau dort – auf über 2.000m Seehöhe befindet sich das Rifugio Pralongià, wo wir unseren Sommerurlaub 2014 verbrachten.

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Sehnsucht… ge- und erlebt!

Eine Woche Auszeit – fern der Zivilisation, das war unsere Intension. Tja, die Sehnsucht war da… doch die Frage WOHIN lag auf dem Tisch. Ich surfte ‚mal wieder stundenlang durch die Welt. Schlussendlich blieb ich genau bei einem Satz auf der Webside eines Rifugios in der Region Alta Badia in den Südtiroler Dolomiten hängen: „Gönnen Sie sich einen Urlaub auf der Alm in Südtirol, abseits der Straßen und genießen Sie die einsame Stille am Abend während des romantischen Alpenglühens.“ Auf 2.154m Seehöhe gelegen, ohne öffentliche Zufahrtsstraße (nur eine Schotterstraße für die Betreiber), nur mit dem Sessellift, zu Fuß oder mit dem Rad zu erreichen. Das war’s! Ich rief sofort an – und es war Gott sei Dank noch ein Zimmer frei. Unser Almurlaub auf der Pralongià war gecheckt! 🙂

Am nächsten Morgen ging es auch schon los! Wir packten (in Relation zu unseren anderen Reisen) sehr bescheiden ein und düsten gen Westen – in unser geliebtes Südtirol. Knapp vier Stunden später parkten wir beim Pralongià Sessellift ein. Leider wird dieser gerade neu aufgerüstet… und daher holte uns unser Gastgeber und Hüttenbetreiber Dieter persönlich mit seinem Pick-Up ab. Das fröhliche „Hallo – willkommen“ ließ auch gleich das Eis zwischen Ösis bzw. Deutschen und Südtirolern brechen 🙂

Nach einer etwa 15minütigen Autofahrt stiegen wir hoch über dem Tal – eingebettet zwischen den umliegenden Dolomitenmassiven – aus. Rechts das Zella Massiv und die Puezgruppe, links der Gipfel der Tofana und die Kreuzkofel-Gruppe, vor uns – am Horizont – die Alpen und hinter uns der Marmolada Gletscher. Was für eine Aussicht… Kaum angekommen, waren wir auch schon in den Laufschuhen, um diese Hochalm direkt an der Grenze von Südtirol und Trentino zu erkunden. Eh klar… 🙂

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dazu bedarf es keiner Worte!

WER DA? Unsere HüttenkameradInnen

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Pralongia von der Sella Seite gesehen

Sie fahren auf der Transalpine Mountainbike Strecke , sie wandern über mehrere Tage auf einem der Dolomiten (Nr. 9)– oder Weitwanderwege (Sentiero Italia) oder sie wollen einfach – so wie wir – von einem Stützpunkt aus unzählige Wege erkunden – tja, so sieht das bunt zusammengewürfelte Treiben auf der Pralongià aus. Es ist ein bunter Haufen an AbenteurerInnen, die sich Abend für Abend in der Zirmstuben einfinden. Gruppen aus Italien (etwa die italienische Familien-Männer Runde), Österreich (MTBer aus Ostösterreich auf ihrem Weg auf dem Transalpine Trail), Deutschland (eine Wandergruppe samt Südtiroler Bergführer, der sie sicher durch die Dolomiten führt) oder den USA (eine Großfamilie auf Wanderreise durch Europa)… sie aßen mit uns und ließen uns teilhaben an ihren Erlebnissen. Die meisten bleiben nur eine Nacht, ehe es für sie am nächsten Morgen – nach einem stärkenden Frühstück – weitergeht.

Sie sind wetterfest… Regen, Schnee, Sonne, Nebel – all das kümmert sie nicht. Sie wollen die Natur genießen, genau so, wie sie einfach ist.

Dass es natürlich auch Weicheier gibt, liegt in der Natur der Sache. Das sind dann jene Menschen, die den Gastwirten auch immer nerven. Sie reservieren und weil es ein wenig nach Regen aussieht, bleiben sie dann doch im Trockenen sitzen… Aber Dieter nimmt es gelassen. Zum Glück liegt seine Pralongià zentral und erfreut sich eines guten Rufs.

WAS TUN? Outdoor Paradies pur

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Laufvergnügen auf über 2.000m Seehöhe

Südtirol haben wir ja schon seit längerem fest in unser Sportlerherz geschlossen. Im Badia Tal wurden unsere Erwartungen erneut übertroffen. Outdoorfreaks finden dort wirklich alles – und manchmal noch ein bisschen mehr. Wir erkundeten die unterschiedlichsten Wander- und Laufpfade, entdeckten anspruchsvolle coole MTB-Trails und sahen Kletterern auf den unterschiedlichsten Routen zu. Doch da gibt es noch viel viel mehr… am besten einfach auf die Webside von Alta Badia reinschauen… und gustieren.

All diese Dinge lassen sich direkt von der Pralonigá aus machen… und wer es sich etwas bequemer machen möchte, der kann sich auch ein E-Bike ausborgen… 🙂 dann geht es noch leichter.

Eine unserer Wandertouren – jene auf den Col di Lana – habe ich bereits in meinem letzten Blogpost beschrieben. Du kannst ihn HIER nachlesen.

WARUM SO BESONDERS? Lebensfreude, Weitblick und (Natur)Genuss

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Immer gut drauf 🙂 das Team der Pralongià
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Großes Kino: Vergnügen hat auch Lex, der Hundeherr im Haus, mit den Hasen 🙂

Jeden Morgen kam uns sowohl vom Pralongià Team und von (fast) allen Gästen eine Welle der Lebensfreude entgegen. Jede(r) hatte ein Lächeln auf den Lippen – auch wenn draußen Nebel oder der Regenwolken hingen.

Zogen die Wolken ab, lachte das Herz… denn der Weitblick war einfach grandios. Einen Morgen nützen wir zu einer Frühwanderung. Noch fast im Dunklen stapften wir los, um kurz vor dem Gipfel den Sonnenaufgang erleben zu dürfen. Die Eindrücke, das Gefühl – sie gaben uns mehr als Berge.

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Im Frühtau zu Berge…
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Die ersten Sonnenstrahlen kurz vor dem Gipfel des Setsas

Bei so viel Action knurrt am späten Nachmittag auch schon kräftig der Magen. Ruhe fand er täglich um Punkt 19.00 Uhr, denn dann stürmten wir in die Zirmstube, wo jeden Abend das fünfgängige Abendessen auf uns wartete. Begrüßt wurden wir immer von Robert, dem Oberkellner und Herr über die Gästebewirtung. Gekonnt sympathisch zelebrierte er das Service. Die Speisenfolge: zuerst Salatbuffet, dann folgen Suppe, Primo Piatto (Nudelgericht), Secondo (Fleischgericht) und als krönender Abschluss ein Dessert… wie es sich eben in Italien gehört. Die Abendmahle mundeten – und sie waren genau das passende für unsere Sportlermägen. Die regionalen Gerichte reihten sich wie eine harmonische Tonabfolge aneinander. Es war nicht zu viel – und auch nicht zu wenig (für uns Vielfrasse), und mit viel Liebe und Hingabe vom Küchenchef zubereitet… Meine absoluten Favoriten: Gerstensuppe, gefüllte Kamutteigtaschen mit Pilzen, Saltimbocca und mein Lieblingsdessert: die Buchweizentorte! mhhhhh….

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Die umfangreiche Weinkarte lehnten wir dankend ab… wir Ausdauersportler greifen doch lieber zu einem alkoholfreien Bier – und das wurde uns im Handumdrehen beschwingt serviert 🙂

Passend dazu auch die acht Zimmer: hell, modern mit viel Holz und Glas – einfach gemütlich. Und jedes Zimmer hat einen traumhaften Ausblick, den ich gerne mitgenommen hätte.

Schlicht – und passend zum Rundherum
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Diese Kapelle erbaute der Gründer der Pralongià, Konrad Pescolderung, für seine verstorbene Frau Antonia. Sie ist dem hl. Antonius geweiht.

Geführt wird die Hütte von der Familie Pescolderung-Niederkofler in der dritten Generation. Und noch immer ist Weitblick und Freude an dieser Profession all gegenwärtig. Sie haben eine besondere Geschichte… verbunden mit viel Pionierarbeit in der Region.  Dieter’s Großvater baute vor fast 100 Jahren die erste Almhütte für touristische Zwecke. Heute ist sie zwar eine Ruine – lässt aber noch erahnen, wie sie damals zwischen den Weltkriegen und danach den Almgenuss ermöglichte. Mehr über die Geschichte der Familie kannst du HIER nachlesen.

Die Pralongià – wie auch dieser Teil der Hochalm heißt – erlebte ich in diesen sieben Tagen als Oase zum Kraft tanken. Ich hatte wieder die Möglichkeit ganz mit und nach der Natur zu leben: mit der Sonne aufstehen und mit ihr schlafen gehen, durch Nebel, Regen, Sonne zu wandern oder zu laufen, die unzähligen Almdüfte intensiv erleben und absolute Stille genießen. Und dank dem Rifugio Pralongià streute sich ein kleiner, feiner Luxus von köstlichem Südtiroler Essen und Gastfreundschaft darüber.

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Energie tanken
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Mit der Sonne aufstehen…
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… und schlafen gehen.

 

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