Marathon: Warum?

42,195km bzw. 26,2 Meilen = Marathon. Seit vielen Jahren zieht er mich in seinen Bann. Warum? Das ist die Frage, die mir immer wieder gestellt wird. Zugegeben – auch ich stelle sie mir ab und dann. Eine kleine Spurensuche, was diese Distanz zu besonders macht.

Die Legende

Credit: wiki

490 v.Chr. nahm die Legende ihren Anfang. Der griechische Soldat Pheidippides läuft von Marathon nach Athen um den Sieg über die Perser zu verkünden. Nach dem Satz „Wir haben gesiegt“ bricht er tot zusammen. Auch wenn Historiker die Geschichte etwas anderes sehen… die Legende blieb. Wobei: wirklich ausgegraben wurde sie erst Ende des 19. Jahrhunderts – mit der 1. Austragung der Olympischen Spiele der Neuzeit.

In welcher Sportart liegt so viel geschichtlicher Mythos, so viele Verknüpfungen, so viele Parallelen?

Olympischer Dauergast

Letzte Woche ringte eine traditionelle Sportart im wahrsten Sinne des Wortes um ihr olympisches Überleben: Der Ringkampf. Anders der Marathon: Bereits in der Antike zählte er zu den Disziplinen. Ein Fixpunkt bei den Spielen der Neuzeit ist der Marathonlauf. Seit 1896 wurde er immer ausgetragen! Somit gibt es gleich viele Marathonolympiasieger wie ausgetragene Spiele! ABER: nur was die männlichen Athleten angeht! Den Frauenmarathon gibt es erst seit 1984!

Drama

Auf 42,195km kann viel passieren – sehr viel. Dramatik lieferten Marathonrennen von Beginn an.

Credit: Wiki

Da wäre Dorando Pietri, der bei den Spielen 1908 kurz vor dem Ziel kollabiert und so seine sichere Goldmedaille verliert. Oder die haushohe Favoritin bei den Spiele 2004, Paula Radcliffe, die völlig entkräftet sechs Kilometer vor dem Ziel weinend am Streckenrand sitzen bleibt. Oder Mary Keitany, die als Topfavoritin 2011 überlegen den New York City Marathon anführt. Dort im Central Park – nur wenige Kilometer vor dem Ziel – wird sie abgefangen und auf Platz X verwiesen. Die Liste lässt sich unendlich fortführen… und ich bin davon überzeugt, dass jeder Marathonfan mindestens eine Story auf Lager hat.

In jedem Rennen gibt es große und kleine Dramen… viele sind nicht sichtbar – viele unvergesslich. Zumindest für den Läufer selbst…

Für jeden

Einen Marathon zu laufen ist prinzipiell für jeden möglich. Selbst für beeinträchtigte AthletInnen gibt es Wege und Möglichkeiten diese Distanz zu erleben (im Handbike, Rollstuhl oder dank anderer mechanischer Unterstützung). Egal ob jung, ob alt, ob arm, ob reich – mit einer gezielten Vorbereitung kann es jeder schaffen. Alleine – es braucht den Willen.

Ein Marathonrennen ist nicht nur den schnellsten Athleten dieser Erde vorbehalten. Die Elite gemeinsam mit den Hobbyathleten – in einem Rennen! Auch das ist Faszination Marathon. Für mich war es beim Berlin Marathon 2008 ein tolles Gefühl zu wissen: ich war in einem Weltrekordrennen! (Anmerkung: Haile Gebrselassie lief damals erstmals unter 2:04)

Lebensschule

Frankfurt Marathon 2012_1
Es ist nicht immer alles eitle Wonne beim und im Marathon. Aber ich habe gelernt vielen Dingen im Leben mit einem Lächeln zu begegnen…

Sich für ein Marathonrennen vorzubereiten ist bereits eine Faszination für sich. Konsequenz, Geduld, Ausdauer, Wille – sie alle werden gefordert und geschult. Die Abschlussprüfung erfolgt am Renntag – und sie ist erbarmungslos. Wer seine Hausaufgaben nicht gemacht hat, wird dafür bezahlen.

Leider gibt es immer wieder TeilnehmerInnen, die schummeln (wie in der Schule auch…) Sei es mit verbotenen Substanzen oder durch Verkürzung der Strecke. Das ist bitter, sehr bitter. Die einzige Genugtuung: sie werden nie dieses unglaubliche Gefühl erfahren es aus EIGENER KRAFT geschafft zu haben. Mit dem schlechten Gewissen müssen sie selbst leben… Aber das ist eine andere Geschichte.

Denn das Gefühl nach dieser langen Reise über die Ziellinie zu laufen, es geschafft zu haben, über sich selbst gesiegt zu haben – das ist unbezahlbar, unersetzbar – einfach unbeschreiblich. Viele Alltagsdinge erscheinen plötzlich spielend leicht.

International

Ich liebe die Vielfalt an Menschen, die ein Marathon möglich macht. Nicht nur innerhalb einer Region oder einer Nation – auch darüber hinaus. Marathon entwickelte sich fast zu einer Völkerwanderung über alle Kontinente… Klar, das gibt es auch in anderen Sportarten… doch so viele Menschen, wie beim Marathons – das gibt es nirgends:

z.B. Beim NY City Marathon starteten 2011 46.795 LäuferInnen – beim einem Ironman können max. 3.000 AthletInnen starten.

Facettenreich

Unter Tage Marathon
Credit: Morelli Birgit

Der Citymarathon kann getrost als die Urform bezeichnet werden. Mittlerweile hat sich eine unglaubliche Vielfalt entwickelt: der Bergmarathon, der Wüstenmarathon, der Jungelmarathon, der Eismarathon, der Treppenmarathon, der Knastmarathon, der Unter Tage Marathon, der Marathon auf der Chinesischen Mauer,…. und so weiter und so weiter.

In jeder Sprache ist es der MARATHON

Gleich, welche Sprache man auf dieser Welt hernimmt: es ist und bleibt der Marathon. Auch wenn da und dort das „h“ wegfällt oder die Betonung der Silben sich verschiebt… wir verstehen uns. 🙂

Ich gegen Mich

Ein Marathonrennen mag für viele die Jagd nach Bestzeiten sein. Doch am Ende des Tages ist es für jeden – gleich ob EliteläuferIn oder HobbyathletIn – immer ein Sieg oder auch eine Niederlage gegenüber einem selbst. Denn eine Bestzeit alleine macht nicht unbedingt glücklich… sie ist relativ. Die Marathondistanz ist erbarmungslos… wer sie nicht respektiert, wird von ihr abgeworfen. Es ist immer ein Tanz auf dem Drahtseil… wie viel geht noch, was kann ich noch einsetzen ohne zu verlieren?

Und warum fasziniert dich der Marathon – ja, genau DICH? 🙂 Let me know!!!…

 

 

4 comments on “Marathon: Warum?

  1. Das ist es. Du hast diese Faszination auf den Punkt gebracht. Danke!
    Mit ein Grund, warum das Thema für 2014 in meinen Überlegungen eine Rolle spielt.
    Weißt eh, da habe ich ja noch eine Rechnung offen …!

    1. Wer den Virus intus hat, der läuft… 🙂 Freut mich zu lesen, dass du wieder Überlegungen in diese Richtung hast!
      Grüße dich übrigens genau von diesem Ort… und schick dir ganz viel Mut und Kraft!
      Running Zuschi

  2. Also wo soll ich nur anfangen?!? Vielleicht erst einmal: eine schöne Zusammenfassung. Du sprichst mir aus dem Herzen. Ich glaube, dass ist, was so viele fasziniert – man lernt sich und die Welt kennen, egal wie schnell oder langsam man ist. Jeder Marathon ist einzigartig und es kann so viel passieren auf so einer langen Strecke. Egal wie man sich vorbereitet, ein Marathon bleibt ein Marathon und das Gefühl im Ziel zu sein ist unbeschreiblich.

    1. Das Gefühl über die Ziellinie zu laufen ist immer eine sehr emotionale Angelegenheit! Egal, ob als LäuferIn oder als Zuschauer… jedes Mal läuft mir die Gänsehaut! Wann wirst du das nächste Mal einen Marathon in Angriff nehmen? Wünsche dir dafür alles alles Gute – und viiiiiiel Genuss!!!

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