Gewichtiger Vorteil: Magersucht im Laufsport

Hitomi Niiya aus Japan lief 24 der 25 Runde beim 10.000m WM Rennen in Moskau an vorderster Front. Fast 30 Minuten konnte die interessierte Laufsport Welt die Japanerin visuell zu konsumieren. Wie ein Schweizer Uhrwerk spulte sie im gleichmäßigen Tempo die Runden vor der haushohen Favoritin Tirunesh Dibaba aus Äthiopien ab.

Das federleichte Laufen der Ostafrikanerinnen – wie etwa bei Dibaba – ist über lange Zeit wunderschön anzusehen. Doch das Bild, das sich an diesem Sonntag Abend bot, hatte

Credit: gettyimages

absolut nichts mit Ästhetik und meiner Ansicht nach auch nichts mit Sport zu tun. Niiya – ein Gerippe, überzogen mit einer Hautschicht. Wer den zierlichen Ostafrikanerinnen bereits in Natura gegenüber gestanden ist, weiß von ihrer Zierlichkeit, ja fast Zerbrechlichkeit. Doch die Japanerin schien nur noch die Hälfte der Äthiopierinnen zu sein. Abgemagert, um dank niedrigstem Gewicht Vorteile über die lange Strecke herauszuholen. Denn wer weniger Gewicht mit sich herumschleppt, braucht auch weniger Energie… und je länger die Strecke, desto größer der Vorteil.

Seit Wochen wird in den Medien heiß über Doping diskutiert. Der ZDF überschlug sich bei der gestrigen Live-Übertragung mit Vermutungen und Theorien rund um Usain Bolt und seinem Leistungsvermögen… Regelrecht krampfhaft versucht man ihm des Doping zu überführen. Außer seinem Sieg und schnellen Zeiten ist nichts zu sehen (es gibt keine positive Probe). Bolt wirkte gesund, athletisch, stark.

Warum sagt keiner was? Credit: Ian Walton/Getty Images Europe

Im Gegensatz dazu war bei den 10.000m der Damen – konkret bei Niiya – sehr wohl etwas zu sehen. Ein Bild, dass alles andere als gesund, athletisch und kräftig wirkte, sondern krank und nicht vorbildhaft! Es ist alles andere als ein Qualitätszeichen für den Langstrecken-Laufsport. Es vermittelt einen völlig falschen Ansatz – einen verkehrten Weg zum Erfolg. Doch darüber wird nicht gesprochen. Da werden keine Maßnahmen gesetzt – obwohl offensichtlich ist, dass es hier alles andere als VORBILDHAFT zu geht!!!

  • Durch extremen Gewichtsverlust – WETTBEWERBSVORTEIL (könnte man weiter die Frage stellen: wie schafft sie es ohne Nahrungszufuhr so viel zu trainieren?)
  • Es braucht nicht einmal wissenschaftliche Studien, um zu wissen, dass dieses Handeln extrem gesundheitsschädlich ist!
  • Dass sich Niiya von dieser extremen Magersucht jemals erholen wird, ist fraglich. Im normalen Leben werden magersüchtige Menschen in spezielle Kliniken eingewiesen und Experten wissen, dass die Heilungschancen begrenzt sind. Meist brechen mit der Gewichtszunahme und Stabilisierung des Körpergewichts schwere psychische Erkrankungen aus…

Ein Beitrag über Essstörungen im Laufsport von Dr.Dr. Aderholz auf der Seite „German Road Races“ kannst du HIER nachlesen.

Die AthletInnen selbst (dieses Thema betrifft nicht nur Frauen, sondern auch immer mehr Männer!) werden kaum Einsicht haben. Es bedarf einem konsequenten Gegensteuern durch Trainer, Familien, Verbänden, Manager… Aber da sind wir wieder, wo auch die Dopingproblematik ansetzen sollte.

Der Spitzensport hat nicht nur die Aufgabe uns mit Rekorden zu unterhalten. Er soll das Volk zum Aktiv sein animieren. Spitzensportler soll Vorbilder für die Jugend und Junggebliebene sein… doch davon sind wir seeeeehr weit entfernt. Und mit der magersüchtigen Japanerin an der Spitze des Damenfeldes haben wir einen weiteren Schritt zurück – anstatt nach vorne gemacht.

Wann wird endlich `mal was passieren???

4 comments on “Gewichtiger Vorteil: Magersucht im Laufsport

  1. Ich finde es toll, dass Du diese Problematik ansprichst. Allerdings denke ich, dass diese Sportlerinnen kaum Einsicht haben werden. Es gibt leider einige Sportarten, bei welchen man durch ein besonders tiefes Gewicht Vorteile hat (z.B. auch Ballett bei den Damen) – und solange dies nicht verboten wird, werden besonders ehrgeizige Personen immer versuchen, alle Vorteile herauszuholen.
    Spass macht das Ansehen dann allerdings nicht mehr…

    Liebe Grüsse
    Ariana

    1. Da hast du genau den Punkt getroffen… die Betroffenen sehen sich nicht als magersüchtig… im Gegenteil. Es ist das Umfeld, was bei dieser Thematik gefordert ist. Ich fand es zum Beispiel bei den Skispringern super, dass sie Gewichtsbeschränkungen von Verbandsseite eingeführt haben… jetzt sehen die Jungs wieder halbwegs normal aus. Und das sollte bei all den anderen Sportarten auch passieren. Ich hoffe sehr, dass da bald mal die Augen aufgehen… Bei den Trainern, Eltern, Verbänden usw.

      Liebe Grüße
      Running Zuschi

  2. Wie interessant, dass ich mit Freunden gestern ein ganz ähnliches Thema beim Triathlon gehabt habe. Denn interessanter Weise betreffen beide Themen (Doping und Magersucht) nicht nur den Profi- sondern auch immer mehr den Breitensport.

    Wir haben uns gefragt, wie manche Frauen die Strecke überhaupt überwinden können. Ich bilde mir ein gesund zu leben und alles Erdenkliche für meinen Körper zu tun, dass es ihm gut geht und zudem trainiere ich entsprechend. Die Strecke hatte es aber so in sich, dass ich wie nie zuvor so ausgelaugt ins Ziel kam. Um so interessanter, wie manche über sie hinweg geflogen sind, ohne auszusehen, als würden sie Sport treiben oder als würden sie Tag und Nacht Sport treiben und zeitgleich nichts essen. Natürlich möchte ich niemanden etwas Unterstellen, aber oft scheint es so offensichtlich zu sein.

    Hinsichtlich der Dopingvorwürfe im TV muss ich sagen, dass sich bei mir eine Art Müdigkeit eingestellt hat. Ich konnte im ZDF leider nicht weiter hinhören und wechselte den Sender. Auch wenn ich voll und ganz für kritische Berichterstattung bin, bin ich auch dafür, dass man den Sport genießen kann. Leider kann ich das nur noch sehr selten, da fast nur noch negativ kommentiert wird. Sehr schade.

    1. Ja, da gebe ich dir absolut recht… die Magersuchtproblematik ist nicht nur im Hochleistungssport ein großes Thema. Immer häufiger sieht man Hobbyathleten, die mit einer extremen Hungertaktik nach Bestzeiten streben. Was sie sich dabei antun, wollen sie nicht sehen…

      Ich – für mich – erachte es als gleichwertig mit Dopen mittels verbotenen Substanzen… beides es gesundheitsschädlich und eigentlich Betrug an sich selbst und dem nächsten.

      Die Dopingdiskussion ist wirklich sehr ermüdend – v.a. weil nur geredet und geredet wird (u.a. viel dummes Zeug!) und damit nur eines bewirkt wird… dass die einen müde werden und die anderen erst recht neugierig werden…

      Mögen doch noch mehr Sportfreunde wie wir einfach die Leidenschaft leben… gibt es was schöneres als zu wissen, Distanzen und Zeiten ganz aus eigener Kraft bewältigt zu haben… auch wenn wir uns noch so gequält haben???

      Ich halte meinen Glauben aufrecht!

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