Boston 2013: Auswirkungen, Ausblicke und Gedanken eines Autors

Boston Marathon 2013Der Bombenanschlag auf den Boston Marathon 2013 hat die Lauf-Welt verändert. Darin sind sich Marathonläufer wie Veranstaltungsexperten sicher. Auch wenn die meisten Auswirkungen vorrangig bei US-Rennen zu spüren sein werden, so berührt das sehr wohl auch uns Europäer. Seien es verstärkte Sicherheitsbestimmungen für Teilnehmer oder daraus resultierende höhere Nenngebühren – es werden sich einige Dinge grundlegend ändern. Die entscheidenden Punkte habe ich in der eben erschienen Laufsport Marathon Ausgabe zusammengefasst…

Doch es geht nicht nur um Läufe an sich, die sich verändern werden. Die Laufwelt an sich ist sehr eng zusammengerückt. Seit Wochen gibt es eine unglaubliche Solidaritätserklärung für den Boston Marathon sowie den persönlich Betroffenen des Anschlages. Wie die Welt mitfühlt zeigt „The One Fund“, der vom Bostoner Bürgermeister ins Leben gerufen wurde. Bis dato konnten über 31 Mio. Dollar an Spenden gesammelt werden, die den Opfern und deren Angehörigen zu Gute kommen.

Auch die laufenden Beine werden nicht müde und wollen das Geschehene nicht vergessen lassen. An diesem Wochenende werden über 2.000 Läufer die letzte Meile des Boston Marathons gemeinsam laufen. Siegesgedanken wird dabei wohl niemand hegen, eher Gedanken an die Tragödie. Mehr dazu findest du HIER

Boston 2014

Was den Boston Marathon an sich angeht: der erfreut sich einer noch nie dagewesenen Nachfrage und Solidarität. Die Nachfrage nach einem Startplatz 2014 ist enorm. Der Veranstalter denkt bereits über die Erweiterung des Teilnehmerfeldes nach. Ob es dazu kommen wird, ist jedoch noch offen.

Was aber gewiss ist:

  • dass jene 5,633 Teilnehmer, die zum Zeitpunkt des Anschlages die Halbmarathon Marke passiert hatten und nicht finishen konnten, einen garantierten Startplatz für 2014 haben. Dafür müssen sie aber eine Registration-Fee bezahlen (gleich hoch wie 2013). Die offizielle Stellungnahme von B.A.A. findest du HIER
  • dass die Limitzeiten für die jeweiligen Altersklassen schneller werden. Das hat jedoch nichts mit dem Anschlag zu tun – diese Regelung wurde bereits vor zwei Jahren festgelegt. Welche Zeiten notwendig sind und welche Bedingungen für eine Qualifikation erfüllt werden müssen, das erfährst du HIER

„Boston Run“ – Thriller und die Realität

Wer sich ebenfalls tiefe Gedanken zum Anschlag in Boston macht, ist Frank Lauenroth. Er ist der Verfasser des Marathon-Thrillers „Boston run“ und postete tief erschüttert auch auf meinen Blogeintrag am 16.4. Ich fragte ihn, wie er heute über die Geschehnisse denkt… ein kurzes Interview mit dem Autor:

RZ: Nun gab es 2013 in Boston kurz vor dem Ziel einen Bombenanschlag. Was ist das für ein Gefühl, wenn plötzlich am „eigenen Schauplatz“ ein realer Thriller stattfindet?

Frank: Es schmerzt besonders. Als Fan von Marathonläufen schaue und verfolge ich viele dieser Läufe am Fernseher, manche direkt an der Strecke. Früher lief ich sogar mal selbst die lange Distanz. Und irgendwann schrieb ich einen Thriller über den Boston Marathon. Und es ist kein großes Geheimnis, dass es in einem Thriller auch mal drastischer zugeht. Leider wird selbst die Phantasie eines Autors von der Wirklichkeit rechts überholt. So geschehen beim Boston Marathon 2013. Und leider ist es in der Realität gemeiner, hinterhältiger, blutiger. Die Nachricht, dass es dort einen Anschlag gab, hat mich geschockt und gleichermaßen tief berührt. Ich trauere mit den Hinterbliebenen der Opfer, kann den Überlebenden nur wünschen, dass sie das irgendwie verarbeiten können und dass sie dabei Hilfe und Unterstützung erhalten.

Ein Anschlag ist immer hinterhältig und feige. Und wenn es Menschen trifft, die sich etwas Entspannung vom harten Arbeitsalltag erhofften, Ablenkung von Problemen oder einfach nur Freude an einer Sportveranstaltung, die Läufer und Zuschauer verbindet, die für das Positive schlechthin steht, dann ist ein solcher Gewaltakt besonders schrecklich.
Es schmerzt besonders.

Frank Lauenroth1
Buchautor Frank Lauenroth

Frank: Glücklicherweise gab es genug positive Reaktionen bei den Folgeveranstaltungen in London und Hamburg. Ich glaube nicht, dass die Laufszene sich ändern muss oder wird.

RZ: Würdest du selbst noch einmal in Boston oder New York laufen wollen?

Frank: Es wäre ein Traum. Vielleicht – eines Tages …

RZ: Gibt es Parallelen zwischen einem Marathonlauf und dem Schreiben eines Romans?

Frank: Parallelen? Ja! Einen Fehlstart habe ich noch nie hingelegt, da ich, bevor ich wirklich mit dem Schreiben anfange, bereits die meisten Eckpunkte und den Schluss des Romans im Kopf habe. Ich lege allerdings viel Wert auf den Endspurt. Und versuche immer, das Tempo hochzuhalten. Getreu meiner Autoren-Devise: Du sollst nicht langweilen!

RZ: Was würdest du deinen Söhnen eher raten: einen Marathon zu laufen oder ein Buch zu schreiben?
Frank: In beidem findet man Verwirklichung. Aber eines ist sicher: Ein Marathon ist leichter. 😉

Die Story des Krimis „Boston Run“ in Kürze

Ein Newcomer in der Marathonszene, Brian Harding, will den Boston Marathon gewinnen. Möglich werden soll dies durch eine neue Wunderdroge, die sich im Laufe des Rennens auflöst und im Ziel nicht mehr nachweisbar ist. Erfinder des Dopingmittels ist Brians Freund und ehemaliger Geheimdienstagent Christopher Johnson, und der hat mit der NSA noch eine Rechnung offen. Doch seine früheren Kollegen bekommen Wind von dem Plan, und es entsteht eine rasante Hatz quer durch die Marathon-Metropole.

Zugegeben – ich lese sehr gerne Krimis. Und ich hoffe sehr, dass sich am Ende – wie in Frank’s Bücher – doch alles zum Guten wenden – ohne Opfer!

One thought on “Boston 2013: Auswirkungen, Ausblicke und Gedanken eines Autors

  1. Hallo Zuschi!
    Vielleicht noch ergänzend zum Thema ‚Spenden für Boston‘.
    Unter http://www.rheinwalt-online.de/charity_shirt_boston.htm kann man sich ein Boston-Charity-Laufshirt bestellen, dessen Erlös komplett an die Opferhilfe überwiesen wird. Ich hab es mir natürlich sofort gekauft und werde z.B. beim Blankeneser Heldenlauf damit an den Start gehen und damit zugleich ein Zeichen setzen. Wir werden Boston nicht vergessen. Und wir werden weiterlaufen!
    Gruß
    Frank

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