Boston Marathon 2013: Bomben – Verzweiflung und Tränen

Schock und Betroffenheit! Was gestern 14.40 Uhr Bostoner Ortszeit passierte, macht mich zutiefst betroffen. Knapp 50 Meter vor der Ziellinie des Boston Marathons explodierte unter einer Zuschauertribüne eine Bombe. Bei KM 26 ging ebenfalls eine Bombe in die Luft. Die Zeitnehmung zeigte gerade 4:09 an, als ein lauter Knall, gefolgt von einer Staubwolke und ohrenbetäubenden Menschenschreien die Marathonidylle vernichtete.

Bombenwahnsinn beim 117. Boston Marathon / Foto: Boston Globe via Getty Images

Laut aktuellen Medienberichten kamen drei Menschen ums Leben, über 140 Verletzte forderte dieser Anschlag. Die Ermittlungen laufen auf Hochtouren – Täter konnten noch keine ausgemacht werden. Laut Polizeiangaben gab es vor und während dem Rennen keine Bombendrohungen. Es kam bereits zu Verhaftungen, doch diese dürften noch keine Ergebnisse bringen. Ebenso tappt die Polizei, sowie das gesamte US Aufgebot an Ermittlern noch im Dunkeln.

Rettungs- und Sicherheitskräfte reagierten schnell. Während umgehend Sanitäter und Ärzte zur Hilfe eilten, konnten die Sicherheitskräfte zwei weitere Bomben finden, die sicher entschärft werden konnten. Das Teilnehmerfeld, das sich noch auf der Strecke befand, wurde zu Sammelplätzen umgeleitet. Von den über 27.000 Startern kamen nur 17.579 ins Ziel. Trauriges Detail: die Bombe auf der Zielgerade detonierte gerade in der Zeit, als die größte Dichte an Läufern ins Ziel kamen. (Interessantes Detail: es werden Läufer in der Ergebnisliste geführt, die nach dem Bombenanschlag finishten!?)

Umgehend wurde die gesamte Stadt evakuiert. Journalisten berichten, dass das Pressehotel, wo sich übrigens zeitgleich die Elitepressekonferenz gehalten wurde, abgeriegelt wurde. Keiner durfte hinaus, alle mußten an Ort und Stelle bleiben. Ein Flugverbot wurde über die Stadt verhängt, ebenso ein Ausgangsverbot.

Große Betroffenheit

Da war die Welt nicht nur für Sabrina Mockenhaupt, die auf den ausgezeichneten 10. Platz rannte, in Ordnung / Credit: Sabrina Mockenhaupt

Die Geschehnisse gingen wie ein Lauffeuer um die Welt. Laufend werden neue Berichte im Internet publiziert… auf Twitter und Facebook ist die Hölle los. Läufer aus aller Welt bekunden ihr Mitgefühl und ihre Solidarität, verurteilen das Geschehene. Eliteläufer wie Sabrina Mockenhaupt, Ana Dulce Felix, Shalane Flanagan und Kara Goucher zeigen sich zu tiefst betroffen. Running Mocki postete verzweifelt auf ihrer Facebook Seite, Journalisten mögen sie bitte mit Interviews in Ruhe lassen. Was absolut verständlich ist: der Schock sitzt gerade bei den Athleten sehr sehr tief… viele fragen sich sicher: was wäre wenn – gewesen! Die „Mediengeilheit“ gipfelt schlußendlich in Facebook Posts: „Wer ist in Boston und kann uns ein Interview geben?“ – Niveauloser geht es wohl nicht mehr!

Ich persönlich bin zutiefst schockiert und betroffen. Ich liebe das Laufen und ich liebe den Marathon. Es ist ein friedliches Zusammenkommen von tausenden Menschen, die nur ein Ziel haben: diese 42,2km friedvoll und gut zu bewältigen. Solche Rennen geben den Menschen unendlich viel -sie gewinnen neue Kraft, erleben neue Dimensionen – hunderte Nationalitäten fröhlich nebeneinander. Doch dann zerstört ein krankes Bombenhirn diese Idylle – lässt die Freude und unendliche Kraft in Sekunden zu Trauer und unendlicher Ratlosigkeit umschlagen.

Patriot’s day = Blutvergießen?

Der Boston Marathon findet traditionell jeden 3. Montag im April statt – am Patriot’s day. An diesem Tag gedenkt die USA der ersten Kämpfe der Amerikanischen Freiheitskämpfe in Lexington und Concord am 19. April 1775. Ob der Anschlag etwas mit diesem Anlass zu tun hat, wage ich nicht zu behaupten,… doch dieser Termin wurde in der Geschichte bereits des öfteren für Gewaltakte verwendet.

Was auch immer den oder die Tatentäter getrieben hat – was auf jeden Fall gewollte war: Aufmerksamkeit und Zerstörung – Vernichtung unseres Traums. Doch genau das dürfen wir nicht zu lassen – wir, die Läufer dieser Welt. Unser Sport ist friedlich, verbindend, offen, mutspendend. Und genau das brauchen wir in dieser schweren Stunde. Laufen hilft uns diese Trauer zu bewältigen! Auch für die Hinterbliebenen der Opfer mögen unter anderem Laufkilometer wieder neue Perspektiven und Zuversicht eröffnen. Auch die Verletzten (einigen von ihnen mußten Arme oder Beine amputiert werden) – sie mögen bewegte Wege finden, aus diesem Trauma ausbrechen zu können. Ich schicke ihnen auf diesem Wege unendlich viel Kraft!

Mut für die Laufzukunft! Trotz dem Bombenwahn! / Credit: HvB
Mut für die Laufzukunft! Trotz dem Bombenwahn! / Credit: HvB

Kraft und Energie wünsche ich auch dem Veranstaltungsteam des ältestem Marathonrennen der Welt. Sie stehen vor einem Scherbenhaufen… harte Wochen und Monate warten auf sie. Sie haben in den letzten Jahrzehnten Wesentliches für den Marathon geleistet. Ich hoffe sehr, dass sie aus dieser harten Stunde als Sieger hervorgehen!

Was wir tun können? Dem Wahnsinn nur durch Fakten Raum schenken und unserer Leidenschaft, dem Marathonlaufen treu bleiben. Wir dürfen uns von solcher Zerstörung nicht zerstören lassen! Haben wir keine Angst… Treten wir ihnen mutig entgegen!

Seriöse Berichterstattung rund um die Ergebnisse beim Boston Marathon findest du HIER

Statement des Veranstalters findest du HIER

Und Mut findest du… in deinen Laufschuhen!

 

15 comments on “Boston Marathon 2013: Bomben – Verzweiflung und Tränen

  1. Natürlich bin auch ich betroffen. Viele, die zwar wussten, dass ich etwas zum Boston Marathon geschrieben hatte, aber nicht die eigentlichen Details kannten, fragten mich, wie ich wohl empfinden müsse. Deine Worte spiegeln sehr gut wieder, was auch in mir vorging. Dafür ein großes Dankeschön an dich.

    1. Ich mußte des öfteren an dich denken… und fragte mich, was wohl in dir vor geht! Deine Marathon Thrillers haben Gott sei dank immer ein gutes Ende… das GUTE gewinnt – der Wahnsinn zieht den Kürzeren. Das wünsche ich mir auch für diese bittere Realität, der wir derzeit Aug in Aug gegenüber stehen… Wir dürfen uns nicht unterkriegen lassen… KEEP ON RUNNING! Und gleichzeitig DANKE an dich, dass du dich so für das Gute einsetzt!

      1. Sie haben sie! Am Ende wurden die Attentäter ein Opfer Ihrer eigenen Mediengeilheit. Wer so etwas vor 1000 Kameraaugen in die Menschenmenge schmuggelt, kann auch sicher sein, dass eben diese Kameraaugen auch das sehen. Zumindest hinterher. Auswertbar.
        Ein Glück – es ist vorbei. Und die Jagd auf die Attentäter wurde zugleich ein Statement an die Welt, dass mit solchen Idioten nicht gespaßt wird. Andererseits wird in diesem Augenblick die nächsten Bombenlegergeneration bereits etwas dazugelernt haben. Leider. Hoffen wir, dass die Opfer nicht vergessen sind. Und – wie du es bereits gesagt hast – laufen wir weiter!

  2. ‚Interessantes Detail: es werden Läufer in der Ergebnisliste geführt, die nach dem Bombenanschlag finishten!?‘

    Das lässt sich leicht erklären: Die Uhr zeigte zum Zeitpunkt des Anschlags 4:09 an, aber ausgehend vom Start der 3. Welle des Rennens. Jemand aus der 1. Welle konnte also durchaus mit einer Zeit von 4:49 finishen und noch vor dem Anschlag im Ziel sein. Ist aber eigentlich auch egal, das ist an einem solchen Tag ja nicht mehr von Belang 🙁

    1. ja, Zeiten und Platzierungen sind bei solch einem Ereignis nebensächlich… jedoch bin ich verwundert, dass trotzdem Athleten nach dem Anschlag gefinisht haben (wahrscheinlich, weil sie die Situation nicht realisiert haben) Was die Wellenstarts angeht: wer in der 3. Welle startet, hat eine kürzere Nettozeit (auf die habe ich mich bezogen – nicht auf die Bruttozeit!) aber ist ja auch gleich… ich hoffe sehr, dass es nie mehr zu solch schlimmen Tagen in unserem Marathonleben kommt!

      Danke fürs Lesen und Kommentieren! KEEP on running
      Running Zuschi

  3. Liebe Edith,
    gerne schließe ich mich den anderen Kommentaren an – besser kann man diesen Wahnsinn nicht beschreiben. Wir sind alle betroffen und jetzt erst recht – WEITERLAUFEN.
    Danke, dass ich dich vor Schönbrunn persönlich kennen lernen durfte.
    Rosa

    1. Liebe Rosa! Vielen DANK für deinen Kommentar – und v.a. dass wir uns am Sonntag endlich persönich kennengelernt haben! Hat mich sehr gefreut!
      Alles GUTE und viel Spaß beim WEITERLAUFEN! LASS DICH DURCH DIESE EREIGNISSE IN BOSTON NICHT VON DEINEM MARATHONTRAUM ABBRINGEN!
      GLG Running Zuschi

    1. Vielen DANK! Lass uns weiterlaufen und diesen wunderschönen Sport genießen!!!!
      Herzliche Grüße
      Running Zuschi

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