Adidas Boost – im Test

Adidas Torsion ZX 9000 – das war er: mein erster Laufschuh!

Der Adidas Torsion ZX 9000 Credit: dooyoo.de

Der Bursche hat einiges mit mir mitgemacht und unsere Beziehung war eine wirklich schöne und äußerst intensive. Doch eines Tages kam der bittere Tag. Die Sohle war ramponiert, die Löcher rund um die Zehen wurden größer – unsere Wege trennten sich. Tja, und das war auch schon die Geschichte Adidas und Running Zuschi. Seit meinen Laufanfängen kam mir kein Adidas Schuh mehr unter die Sohlen. Irgendwie passt es nicht – zu schmal, zu spitz, zu „unlaufbar“ für mich.

So beobachtete ich zwar die Geschehnisse im Hause Adidas – wir kamen uns trotzdem nicht näher. Doch das sollte sich im Jahre 2013 – gut 20 Jahre nach meinem Einstieg in die Laufszene – ändern. Die Adidas Boost Kampagne war ja nun wirklich nicht zu übersehen… und die versprochene Schuheigenschaft machte mich – verdammt – neugierig.

Vor zwei Wochen war es dann soweit: ein neues Kapitel wurde aufgeschlagen.

Credit: runner.fr

Ich schnallte mir wieder ein Adidas Paar an meine Füße. Doch ehe ich euch von meinen Eindrücken berichte, noch  kurz, was diese Laufschuhe so besonders macht: Für die Zwischensohle entwickelte Adidas gemeinsam mit BASF ein neuartiges Kunststoff Granulat. Die dafür verwendeten kleinen Kapseln werden bei der Produktion gesprengt und anschließend zu einer Zwischensohle verdichtet. Der Effekt: das Material soll Energie beim Aufprall wesentlich effizienter speichern und beim Abdruck wieder freisetzen können.

Außerdem soll diese neuartige Boost Zwischensohle – bestehend aus 2.500 in sich verschmolzene Kapseln – weitaus temperaturresistenter sein, als der häufig eingesetzte EVA Schaum… gerade zu ideal für den diesjährigen Frühling. Eine Erklärung zu dieser neuen Adidas Errungenschaft liefert folgendes Video:

Die Damenversion / Credit: Adidas
Die blaue Männeralternative / Credit: Adidas

Der erste Adidas Boost ist in schwarz, mit weißer Sohle um € 150,– zu haben. Passend zum Frühling folgen ab Anfang April auch zwei neue Farbmodelle – lila für die Damen und rot für die Herren.

Mein Eindruck vom neuen Adidas Boost

Optik

Das schwarze Obermaterial, unterbrochen von den aufgeklebten drei silbernen Steifen. Die weiße Zwischensohle wirkt wie Styropor und führt von der Ferse bis zum Fußballen. Zu den Zehen sieht die Sohle nach oben und lässt den Schuh sehr dynamisch wirken.

Passform

Wie bereits oben geschildert waren die Adidas Modelle für meine Füße immer zu schmal. Normalerweise trage ich Schuhgröße 40,5, mein Adidas Boost Paar hat die Größe 41 1/3. Ergo: die Schuhe sind fast eine Nummer kleiner geschnitten – und es passte erfreulicherweise beim ersten Hineinschlüpfen perfekt. Was die Fußballenbreite betrifft: das Obermaterial gibt beim Aufkommen genau so viel nach, dass es sich nicht zu eng anfühlt. Gleichzeitig beginnt der Fuß beim Abdruck nicht zu schwimmen – perfekter Halt. Dafür verantwortlich dürfte auch die aufgeklebte, elastische Kunststoffverstärkung sein.

Im Schuhinneren fühlten sich meine Füße gleich wohl: Keine unangenehmen Nähte, genügend Platz an allen Seiten.

Auffallend: durch die wie ein Keil verlaufende Zwischensohle von der Ferse zum Fußballen spürt man sofort das leichte nach vorne Neigen des Körpers. Kein unangenehmes Gefühl – im Gegenteil. Aber eben auffallend.

Laufverhalten

Long Jog mit dem neuen Adidas Boost / Credit: Horst von Bohlen
Long Jog mit dem neuen Adidas Boost / Credit: Horst von Bohlen

Ich laufe fast nur noch ungedämpfte Schuhe, um den Impuls bestmöglich ausnützen zu  können. Vor dem ersten Lauf hatte ich ein wenig Sorge, dass der Boost mit einer Sprengung von 11mm für meine Verhältnisse etwas zu stark gedämpft sei. Außerdem bringt er im Vergleich zu Lightweight-Schuhen mit gut 280 Gramm einiges auf die Waage.

Doch all meine Erwartungen bzw. Befürchtungen wurden widerlegt.

– Das Gewicht fiel nicht ins Gewicht… der Schuh fühlte sich leicht an.

– Ich lief den Adidas Boost sowohl bei gemütlichen Läufen, einem Long Jog und einer schnellen Einheit. Zu Beginn auffallend: durch die keilförmige Sohle gerät man automatisch in eine gute Körpervorlage. Sie zwingt a.) zum Mittelfußlaufen… fast ein wenig zu sehr zum Vorderfußlaufen, b.) den Rücken durchzudrücken. 🙂 Sehr gut durchdacht von den lieben Adidas Leuten!

Und ich war wirklich überrascht: bei lockerem Tempo fühlte er sich wie ein gemütlicher „Sofasessel“ an… ein wenig gedämpft, aber nicht energieverwendend. Ein angenehmer Abdruck. Bei schnellerem Tempo schien sich das Material zu verhärten und ich konnte wunderbar Druck machen. Mein Empfinden: als ob ich Schuhe ohne viel Sohlenmaterial an den Füssen hätte. brennr meinte in seinem Blogeintrag zum Adidas Boost „das klingt nach einer eierlegende Wollmilchsau“. Lieber Christian, ja, das hat Adidas geschafft. Das muss man ihnen lassen 🙂

Stellt sich noch die Frage, was es mit der angekündigten Temperaturresistenz auf sich hat. Tja, dank der wunderbaren Witterungsverhältnisse konnte ich bis dato nur Matsch- und Regenläufe mit dem Schuh absolvieren. Das versprochene Energieverhalten hält er sowohl bei Kälte als auch bei Nässe… da spürte ich keinen Unterschied. Wie es bei Wärme aussieht… da gebt mir bitte noch Zeit 🙂 das hängt nicht von mir ab 😉

Auf feuchtem Schnee rutschte ich – das war zu erwarten. Doch auf feuchtem Terrain bot er guten Halt. Interessantes Detail: das Obermaterial tränkt sich kaum mit Wasser – sprich: der Schuh wird durch das Wasser nicht sonderlich schwerer… bei jedem Schritt lässt sich das Wasser herausdrücken.

Nach dem Lauf

Gleich ob nach verschärftem Tempo oder langem Lauf, ich hatte keine Beschwerden. Weder Rückenprobleme, noch irgendwelche Bein- oder Fußbeschwerden.

Noch eine Anmerkung: wie oben angeführt zwingt der Schuh zum Durchdrücken des Rückens. Um auch längere Strecken mit diesem Schuh genussvoll laufen zu können, empfehle ich die Rücken- und Bauchmuskulatur mittels Stabi- und Kräftigungsübungen zu stärken!!!! Ansonsten könnte die eine oder der andere Rückenschmerzen durch die Verkrampfung bekommen…

Mein Fazit

Adidas liefert mit dem Boost eine große Überraschung. Der Medienhype rund um dieses Modell ist absolut berechtigt. Ich bin wirklich beeindruckt. Ich werde ihn auch weiterhin für alle Trainingslauf Arten verwenden.

Was natürlich offen bleibt: wie lange hält die Zwischensohle und wie langlebig ist das Obermaterial? Doch da sind dann noch einige Kilometerchen notwendig 🙂

Ein kleiner Tipp: eine vertrauliche Quelle ließ mich wissen, dass der Adizero Adios mit Boost Sohle bald kommen wird 🙂 Also wäre auch für den optimalen Wettkampfeinsatz gesorgt und die Forderung von Andrè/run.de nach der Verteilung auf weitere  Modelle erfüllt.

8 comments on “Adidas Boost – im Test

  1. Toller Bericht. Danke dafür!
    Du schreibst, bei Schnee seist du ein wenig gerutscht. Welche anderen Beläge hast du belaufen und wie fällt diesbezüglich dein Fazit aus?

    Viele Grüße!

    1. DANKE 🙂 Ich bin zu 90% auf Asphalt gelaufen, den Rest auf Trails, die tw. mit Schnee bedeckt waren. Auf Asphalt hält er super… perfekt zum Laufen.
      Wünsch dir viel Spaß! GLG

  2. Danke für den tollen Test! Ist das Teil schon erhältlich? Wollte mir den Schuh vor 3 Wochen bei Hervis kaufen, da war er noch nicht verfügbar.

    liebe Grüße
    Cyana

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