New York City Marathon 2012 + „Sandy“= Race to recover

Der New York City Marathon und Hurricane Sandy – jedes Ereignis für sich etwas Besonderes. Gepaart ergibt es eine selten geballte Ladung an Emotionen und Zündstoff. Seit der Jahrhundertsturm über die Millionenmetropole New York hergezogen ist, überschlagen sich die News, Spekulationen und Meinungskundgebungen über die Abhaltung des am kommenden Sonntag geplanten New York City Marathons. In sämtlichen Social Media Kanälen (auf Twitter #nycmarathon) gibt es lautstarke pro und contra Diskussionen. In Tageszeitungen & Onlinemedien (siehe HIER runnersworld.de) wird die Thematik aufgerollt, aus den unterschiedlichsten Sichtweisen. Vor allem in Tageszeitungen kommt das Thema kaum aus Sicht eines Teilnehmers bzw. Veranstalters auf den Tisch.

Ich möchte jetzt keine x-te Meinung dazu abgeben. Ich möchte nur ein paar Überlegungen aus der Sicht einer Läuferin und einer in den Laufsport verwurzelten Position anbringen. Doch vorweg: was die Natur Anfang dieser Woche gezeigt hat, war gewaltig. Auf diesem Wege möchte ich allen Betroffenen viel Kraft und Zuversicht senden… Verzweifelt und resigniert  nicht! Gebt nicht auf…!

NYC Marathon findet statt!

Betroffene – und viele anderen Menschen – fragen sich: wie kann neben dem Elend der größte Marathon stattfinden? Doch drehen wir den Spieß um: warum soll er, wenn es möglich ist, nicht stattfinden?

47.000 Menschen haben sich seit Wochen, Monaten – wenn nicht so gar Jahren genau auf diesen einen Tag vorbereitet. Es war ihr großer Traum – und sie haben nicht gerade wenig in dieses Ziel investiert (Zeit, Geld, Tränen,…) Was in dieser sehr emotionalen Situation oft vergessen wird: Sie bringen in die angeschlagene Metropole Geld. Geld, das für die Millionenschäden gebraucht wird. Aber auch das Zeichen, dass Gäste weiterhin kommen, braucht das städtische Business. Der Taxifahrer, der seine Familie ernähren muss, der Hotelier, der die erlitternen Schäden richten lassen muss und auch der Franchisenehmer von Starbucks muss Münder füttern und Rechnungen begleichen. Doch nicht nur direkt vor Ort geht es um Existenzen… durch die verwobene Touristik, Logistik und Berichterstattung würde ein Ausfall auch ihre Wirkung über New York hinaus bewirken…

An vielen Ecken treiben die NYRR die Aufräumarbeiten unter Hochdruck voran, damit die Logistik funktioniert. Ein nicht gerade einfaches Unterfangen – selbst bei normalen Verhältnissen. Ein Vorteil für die Anrainer, die vielleicht einige Tage länger warten müssten.

Selbstverantwortlichere Athleten?

Aufgrund des (Ausnahme)zustands sind aber auch die lieben Athleten selbst gefordert, mehr Selbstverantwortung zu übernehmen. Denn viele wandern wie in Watte gepackt durch das Leben. Jetzt müssen sie in vielerlei Hinsicht selbst entscheiden und sich zu ihren Taten mehr überlegen

  • Reise ich wirklich nach New York City? Wie kann ich meine Anreise organisieren – ohne ständig an der Hand genommen zu werden…! Und was ist, wenn mein Hotel nicht bewohnbar ist… was tut ich dann?
  • Wie komme ich zum Start? Wie organisiere ich meine Stunden vor dem Start? Das wird sicherlich ein großer Knackpunkt werden!
  • Wie verhalte ich mich in dieser Ausnahmesituation – beim Laufen, gegenüber den New Yorkern, in den Abendstunden…?
  • Wie lege ich meine Renntaktik an? Was ist, wenn es bei den Verpflegungsstellen zu Engpässen kommt? usw.

Vielleicht führt dieses Rennen wieder „back to the roots“. Der von mir sehr geschätzte Journalist und ehemaliger Top-Läufer Roger Robinson bringt es in einem Beitrag „Why the Race should go on auf Running Times so treffend auf den Punkt: „New York ist niemals einfach.“

Mehr als nur ein Laufevent

credit: Photorun

Roger weiter: „To go ahead with such a big race after such a huge storm will be very very difficult. To cancel it is unthinkable.“ Wer schon einmal das Vergnügen hatte, bei einem Event mit zu arbeiten, weiß nur zu gut, wie viel Vorarbeit dahinter steckt… Wochen, Monate, Jahre. Und auch viele Verträge und viel Geld. Millionen sind bereits geflossen und sie wollen Gegenleistungen. Auch wenn Laufen „nur“ ein nettes Hobby ist. Für Mary Wittenberg, CEO der NY Road Runners und somit Hauptverantwortliche für den NYC Marathon, ist die Angelegenheit knall hartes Business. Mary kennt man als eine clevere, tüchtige und unbeirrbare Businessfrau. Bereits am Dienstag kündigte sie via Twitter und natürlich auch über sämtliche Kommunikationskanäle an, dass sie gemeinsam mit der Stadt New York alles erdenkliche daransetzen wird, den Marathon wie geplant am 4.11. stattfinden zu lassen. Bürgermeister Bloomberg stand ihr zu Seite. Am Mittwoch verkündete er das GO – die Straßen von New York werden am kommenden Sonntag den Läufern gehören – der Katastrophensituation zum Trotz.Dazu nur kurz ein paar Zahlen (derzeit sind nur Ziffern aus 2010 verfügbar):

  • 2010 brachte der NYC Marathon $ 340 Mio. an Wertschöpfung in die Stadt.
  • Die City of New York verdiente 2010 alleine aus Steuereinnahmen $10.8 bis 11.2 mio

Charities

Und da wären da noch die unzähligen Charity Organisationen, die ihre finanzielle Planung stark auf dieses Megaevent ausgerichtet haben. Im Vergleich zu Europa spielt das Laufen für Hilforganisationen in den USA (wie auch in GB) eine sehr sehr große Rolle. 2010 wurden etwa $30.8 mio.!!! erlaufen! Spenden, ohne die vieles nicht mehr funktionieren würde – im Gesundheitswesen, v.a. für Krebspatienten, medizinische Forschungsprojekte, Kinderbetreuung, Behindertenunterstützung und vieles mehr.

Und 2012 wohl auch die Stadt New York City und ihre Bürger selbst: Den Kritikern trat Wittenberg und ihr Team gestern mit folgender Information entgegen: „We’ve come together to create a campaign, The Race to Recover, to begin to put dollars to work now … to put products needed now to help the city recover.“ verkündete Mary gemeinsam mit Jack Rudin, Representat des treuesten Förderer des NYC Marathons (seit 1976) Die NYRR versprachen $1 Million für die Kampagne. Jack Rudin und seine Frau spendeten ebenfalls $1 Million and zwei Familien Foundations gaben weitere $100,000 hinzu. ING, der Titelsponsor versprach nochmals $ 500.000. Gleichzeitig erfolgte der Aufruf an die Teilnehmer sowie die NYRR Mitglieder: „We are urging and strongly suggesting to all runners …that they make a contribution of at least $26.20, a nice round marathon number, to this cause for marathon relief.“ Die Mehrheit des Geldes soll an das Amerikanische Rote Kreuz und an den städtischen Fond „Advance the City of New York“.

Ein Marathon ist eben nicht nur ein Lauf über 42,2km. Es ist weit mehr, als die Jagd nach einer Bestzeit. Denken wir zurück – ganz an den Anfang: ein einfacher Krieger namens Pheidippides rannte nach Athen, um den Sieg zu verkünden. Auf 2012 umgelegt: mögen die mutigen Läufer den schicksalgebeutelten Menschen neue Chancen bringen, ihnen mit dem Lauf zeigen – alles ist möglich. Glaubt daran…

Wer zumindest via TV mit dabei sein möchte: TV Übertragungen

  • NYRR TV überträgt via Internet live von 9am Ortszeit (= 15.00 unserer Zeit) – einfach HIER klicken, um dabei zu sein. Diesen Link kann ich wirklich wärmstens empfehlen, denn keine geringere als Kathrine Switzer wird kommentieren… und da gibt es wirklich viel Wissenswertes und Kompetentes!
  • Eurosport überträgt ab 15.00 den Marathon. Eine Alternative… aber es sei vor den Kommentaren von Dirk Thiele gewarnt… Bleibt nur zu hoffen, dass er aus den Fehlern 2011 gelernt hat!

KEEP GOING… gleich ob Läufer oder Sandy Betroffene!!!

3 comments on “New York City Marathon 2012 + „Sandy“= Race to recover

  1. Edith, da bin ich zu 100% deiner Meinung!
    Natürlich ist das eine Extremsituation und natürlich wird man damit nicht alle zufrieden stellen. Aber wer einmal da war – wie wir beide – weiß ja, dass gerade die Amerikaner wohl ein sehr merkwürdiges, aber auch ein sehr stolzes Volk sind. So bin ich überzeugt, dass die Bewohner der Stadt die Marathonis auch heuer mit Begeisterung in ihrer Stadt aufnehmen. Daher – jetzt erst recht ist die Devise!

    Schlimm ist es natürlich für jene, die nicht rechtzeitig ankommen werden. Noch schlimmer wäre es aber bei einer Absage! Denn viele sind schon da, oder auf dem Weg! Denke nicht, dass die sich freuen.

    Der NYC-Marathon ist bei normalen Bedingungen schon eine organisatorische und logistische Meisterleistung. Umso mehr gehört meine Bewunderung den Veranstaltern, die gerade wegen der widrigen Bedingungen den Marathon trotzdem durch ziehen. Eine Absage wäre die größere Katastrophe! Wir werden daher auch heuer wieder schöne Bilder erleben, gegenseitige Wertschätzung und viele Emotionen. Allen alles Gute!

    1. Genau – wenn die Menschheit immer nachgegeben hätte, wären wir heute nicht da, wo wir sind…
      Für Sonntag können wir ALLEN nur das Beste wünschen – und ich wünsch dir viel Spaß beim Zuschauen 🙂

      1. Genau so isses!
        Ja, Pflichttermin am Sonntag. Ich werde den NYC-Marathon mit bzw. bei einem Lauffreund genießen. Der will ja auch da hin, aber seine Frau ist noch nicht so richtig überzeugt! Ha, ha!

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