Chicago Marathon und Halbmarathon Weltmeisterschaften 2012: Ergebnisse und was wir daraus lernen können

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Der Bank of America Chicago Marathon und die Halbmarathon Weltmeisterschaften 2012 in Kavarna/Bulgarien lieferten wieder spannende Rennen, großartige Sieger und bei näherer Betrachtung interessante Erkenntnisse. Doch alles schön der Reihe nach!

IAAF World Half Marathon Championship 2012

Die Starterliste war nur dünn mit bekannten Topathleten gespickt. Bei den Damen fiel gerade einmal der Name Shalane Flanagan (USA)  auf. Am bekanntesten aus österreichischer Sicht war sicherlich Sabrina Mockenhaupt, die als einzige deutsche Athletin am Start war. Bei den Herren standen Stephen Kosgei (KEN), Eliud Kipchoge (KEN) und der mehrfache Halbmarathon Weltmeister Zersenay Tadese (ERI) ganz oben auf der Liste. Die großen Dominatoren blieben zu Hause, um sich – entweder für ein finanziell lukrativeres Rennen vorzubereiten, oder sich davon zu erholen.

Während die Kenianischen Athleten 2011 die großen Dominatoren auf den Straßen waren, kehrte sich in diesem Jahr das Blatt. Auch bei der Halbmarathon WM mussten die Kenianer empfindliche Niederlagen einstecken.

Bei den Damen holte sich in 1:08:55 die junge Äthiopierin Meseret Hailu im Zielsprint Gold, vor ihrer Landfrau Feyse Tadese (1:08:56) und der Kenianerin Paskalia Chepkorir Kipkoech in 1:09:04. Angesichts der hohen Temperaturen von 30°C eine beachtliche Leistung. Doch wo blieb die Favoritin? Sie kam abgeschlagen nach 1:14:41 als 25. ins Ziel. Ein Ergebnis, mit dem die auf Gold ausgerichtete US-Athletin bestimmt nicht zufrieden war. Mocki belegte mit 1:12:04 den guten 11. Platz. Sie selbst war damit sehr zufrieden, immerhin wurde sie 3. schnellste Europäerin.

Im Herrenrennen zeigte Tadese, dass er über die Halbmarathon Distanz das Maß aller Dinge ist. Er siegte in 60:19 vor Deressa Chimsa aus Äthiopien und John Nzau Mwangangi aus Kenia. Von den weiteren Favoriten war keine Spur.

Credit: iaaf

Die Detailergebnisse sowie einen Bericht über den Rennverlauf findest du hier

Bank of America Chicago Marathon 2012

Spannend lief es auch in Chicago. Das auf NBC live übertragene Rennen war mit qualitativ hochwertigen Hintergrundinfos gespickt… ein wahrer Ohrenschmaus. Doch nun zum Rennausgang:

Bei den Herren blieb die Führungsgruppe, in der sich auch die Favoriten befanden, sehr lange zusammen. Doch Tsegaye Kebede (ETH), der Zweite von 2010 schien das Feld zu dirigieren. Der kleine, quirlige Athlet wollte nach seiner Enttäuschung über die Nicht-Nominierung für die Olympischen Spiele zeigen, was in ihm steckt… und er machte es gnadenlos. In der 2. Hälfte des Rennens zog er das Tempo nach und nach an, riß das Feld auseinander und rannte auf den letzten 2 Kilometern seinem noch verbleibenden Verfolger Lilesa (ETH) fast mit Leichtigkeit davon. Nach 2 Stunden, 4 Minuten und 38 Minuten querte er mit neuer Kurs-Rekord Zeit die Ziellinie. Sein Jubel kannte keine Grenzen. „Ich habe immer von einer Zeit unter 2:05 geträumt. Heute ist es wahrgeworden!“ Die Verfolger liefen auch noch beachtliche Zeiten, doch neben Kebede sahen sie blass aus (trotz ihrer Hautfarbe).

Ähnlich bei den Frauen: die jungen ostafrikanischen Rennpferde versteckten sich auf den ersten 21km hinter den Tempomachern und verabschiedeten sich wenig später von den Verfolgerinnen, unter ihnen die mehrfache Chicagosiegerin, der Russin Liliya Shobukhova. Das Führungstrio, bestehend aus Atsede Baysa (ETH), Rita Jeptoo (KEN) und Lucy Kabuu (KEN) kämpfte lange Schulter an Schulter. Rund fünf Kilometer vor Ende mußte Kabuu, die bereits zwei Marathons 2012 in den Beine hatte, ziehen lassen. Zwischen Baysa und Jeptoo kam es zu einem legendären Zielsprint, den die Äthiopierin knapp für sich entscheiden konnte. Mit 2:22:04 rannte sie den Äthiopischen Doppelsieg nach Hause. Eine erneute „Pleite“ für Kenia.

Credit: Chicago Marathon

Die detaillierten Zeiten und Ergebnisse des Chicago Marathons 2012 findest du hier

Was wir daraus lernen können?

Offensichtlich: wer Geduld hat und mit seinen Reserven gut haushaltet, geht am Ende als Sieger hervor. Eh klar!

Doch ich möchte noch genauer hinschauen und ein wenig in die Vergangenheit dieser Läufer schauen: All jene Athleten, die in diesen Rennen als Top-Favoriten gehandelt wurden, blieben auf der Strecke. Viele von ihnen – wie etwa Shalane Flanagan und Lucy Kabuu, die 2012 bereits im Frühjahr großartige Zeiten auf den Asphalt geknallt hatten und viele Rennen gelaufen sind, schien in der 2. Jahreshälfte die Luft auszugehen. Ebenso der Boston Sieger 2012, Wesley Korir, machte einen eher erschöpften, den starken Eindruck. Klar – diese Läufer trainieren unvorstellbare Umfänge, reisen viel und kämpfen bis zum Umfallen. Doch mal ehrlich: tun wir Hobbyathleten das – in unserem Umfang – nicht auch?

Trainingskilometer hier, Rennkilometer dort… dazu noch Job, Familie und ein bisschen Soziales Leben darf auch nicht fehlen. Und natürlich der Sturm auf die neue Bestzeit. Doch macht es Sinn vor allem über längere Distanzen – also Halbmarathon und darüber hinaus – ihr mehrmals in einer Saison hinterher zu rennen??? Shalane Flanagan ist eine begnadete Läuferin, eine Kämpferin mit dem ultimativen Killerinstink und unglaublichen Willen. Doch was nützt ihr all das, wenn ihr Körper leer ist und sie nichts mehr dagegen setzen kann?

Ich fand zu dieser Thematik eine bezeichnende Frage in Achilles Laufratgeber… ein Läufer fragte: „Lieber Achilles, auch wenn sich zum Glück keine zwei Menschen gleichen, möchte ich aber doch fragen: wir oft darf man im Jahr einen Halb- beziehungsweise Vollmarathon laufen?“ Trainingsexperte Jens Karraß antwortete darauf: „die Topleute schaffen zwei, allerhöchstens drei Marathonläufe im Jahr. Die Vorbereitungen sind das Zeitraubende daran. Und die Marathons selbst so kräftezehrend, dass auch für die Erholung einige Wochen draufgehen – und schon ist das Jahr rum. Auch Volksläufern empfehle ich, nicht mehr als drei Marathons im Jahr zu laufen. Alles andere ist eine Verlagerung eines langen Trainingslaufes in einen City Marathon. Also eher Training als Wettkampf.“

Achim Achilles setzt noch eines drauf: „Mir persönlich reichen zwei von jeder Sorte fürs Jahr. Aber es gibt Bekloppte, die jede Woche ihre 42-Kilometer Dosis brauchen. Der Vorteil: Du brauchst dazwischen kaum trainieren. Ganz ehrlich: Probier’s aus und absolviere in einem Monat im Wechsel zwei ganze und zwei halbe Marathons. Dein Körper wird Dir unmissversändlich mitteilen, wenn Du übertreibst. Schlaffheit, Müdigkeit, Herpes, alles Zeichen für Überlastung. Wenn Du Dich immer noch munter fühlst, dann häng noch ein Monat dran. Los quäl Dich. Schneller ! Keine Ausreden. Und denke bitte dran: Teile uns deine Erfahrungen mit. Es gibt noch mehr Lauf-Junkies, die so was geil finden. Fassungslos, Achim“

Klar ist es kein Garant, dass bei konsequentem Training der einzige Marathon im Jahr aufgeht. Doch ein Versuch ist es wert… und daraus lernen kann man immer noch… Laufen ist geil – Laufen gibt Kraft… und das hoffentlich noch lange – ohne Kraft-ende-saft…

Viel Spaß bei eurem Training… 🙂 und bei eurer Leidenschaft!

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