Olympischer Frauenmarathon 2012: Ergebnisse und Statistik

Der Olympische Frauenmarathon 2012 hat seine Siegerinnen!

Credit: London 2012

1. Tiki Gelana (Äthiopien) 2:23:07
2. Priscah Jeptoo (Kenia) 2:23:12
3. Tatjana Petrova Arkhipova (Russland) 2:23:29

Credit: LOCOG

Ein großartiges Rennen, das den Titel HOCHKARÄTIG mehr als verdient hat! Bis Kilometer 40 lang das vierköpfige Spitzenfeld zusammen – die beiden Kenianerinnen Priscah Jeptoo und Mary Keitany, die Äthiopierin Tiki Gelana und – für viele Sportkommentatoren überraschend – die Russin Tatjana Petrova Arkhipova. Kurz nach KM 40 aber die große Überraschung: die große Favoritin Mary Keitany muß ihre Konkurrentinnen ziehen lassen. Die Russin hält bis ca. 1,5km vor dem Ziel mit – bis Gelana zum Zielsprint ansetzt und auf der Mall die Vize Weltmeisterin Jeptoo schlussendlich um ganze fünf Sekunden hinter sich lässt und sich zur neuen Olympiasiegerin kürt.

Drei Namen, die im Vorfeld kaum bis gar nicht durch die Medien gegeistert waren… für viele unbekannt und doch brennheiß!

Hintergründe zu den Medaillengewinnerinnen im Olymp. Frauenmarathon 2012

  • Die Olympiasiegerin Tiki Gelana
Die neue Olympiasiegerin in Amsterdam 2011

Sie ließ beim heurigen Rotterdam Marathon die Marathonszene aufhorchen. Sie querte nach 2:18:58 die Ziellinie und reihte sich in der ewigen Bestenliste als fünfschnellste Athletin ein! Nach London reiste sie als 2. schnellste Marathonläuferin in diesem Jahr (nur Keitany war in London schneller gewesen!) Gelana ist aber seit längerem kein unbeschriebenes Blatt: beim Amsterdam Marathon 2011 siegte sie mit neuem Kursrekord in 2:22:08.

Die schnellen und vor allem ausdauernden Gene liegen scheinbar in ihrer Familie: 2000 krönte sich ihr Cousin Gezhagne Abera in Sydney zum Olympiasieger.

Statistische Zahlen zur neuen Olympiasiegerin findest du hier

  • Die Silbermedaillengewinnerin Priscah Jeptoo
Priscah 2011, hvb

Sie gewann 2011 als Einstieg den Paris Marathon und holte sich bei den Weltmeisterschaften in Daegu die Silbermedaille. Wenige Monate später belegte sie im kenianischen Ausscheidungsrennen beim Virgin London Marathon hinter der großgefeierten Mary Keitany und Edna Kiplagat Rang drei und sicherte sich damit das letzte, kenianische Olympiaticket. Während des Olympischen Rennens schien sie die Wasserträgerin von Keitany zu sein. Sie reichte ihr fortlaufend die Trinkflaschen, checkte fast fürsorglich das Befinden der amtierenden Halbmarathon Weltrekordhalterin ab. Doch bei KM 40 war Schluss mit Freundschaft und Teamgedanken. Jeptoo heftete sich an die Fersen der Äthiopierin… denn das heutige kenianische Unterfangen hieß: GOLD. Doch beim Zielsprint hatte Priscah wie schon bei der WM 2011 das Nachsehen.

Mit ihrer Silbermedaille läuft sie dem traditionellen Rennstall von Dott. Rosa wieder eine olympische Medaille ein. Durch den Tod von Sammy Wanjiru, dem Olympiasieger 2008, hat das erfolgsverwöhnte Management keine männlichen Athleten am Olympischen Marathon Start. Nur Priscah… und sie holte die Kastanien – wahrscheinlich auch für ihren Trainer Claudio Berardelli – aus dem Feuer.

Ich hatte das Vergnügen sie 2011 auf der Seiser Alm persönlich kennen zu lernen. Die introvertierte Mutter ist eine fokussierte Arbeiterin. Nach 38km kann sie im Training 3 Minuten am Kilometer laufen. Sie war eine der wenigen Athleten, die nach einer Einheit dehnte oder Koordinationsübungen machte. Während ihre männlichen Mitläufer es mit der Pünktlichkeit nicht so genau nahmen, stand sie als eine der ersten am vereinbarten Ablaufplatz. Konsequenz, die sich heute bezahlt machte!

Mehr über Priscah findest du hier

  • Die Bronzene Tatyana Petrova
Petrova (ganz links) in Berlin 2011, hvb

Den lieben Kommentatoren – quer durch alle TV Sender – stockte kurz der Atem, als Petrova sich an die Ostafrikanische Führungsgruppe herangearbeitet hatte und sich regelrecht festsaugte. Viel wußten sie nicht über die 29jährige Russin zu erzählen… Hindernisläuferin, 2008 4. im 3000m Hinternisrennen. Dass sie aber in der Szene kein unbeschriebenes Blatt ist, zeigen die Zahlen und ihre Ergebnisse. Bereits 2004 rannte sie bereits ihren ersten Marathon (Honolulu). 2005 lief sie beim Chicago Marathon und wurde im Vorfeld bereits als harte Konkurrentin für die US-Läuferin Deena Kastor gehandelt. Nachdem sie im Hindernis – Lauf u.a. Silber beim der WM in Osaka (2009) und bei der EM in Göteborg (2006) gewonnen hatte, kam sie wieder zurück auf die Langdistanz. Beim BMW Berlin Marathon 2011 reihte sie sich mit 2:25:01 in den vordersten Ränge ein. Ihre extreme Wettkampfhärte zeigte sie auf Londons Straßen beeindruckend.

Doch nicht nur das… sie zeigte der Läufer(innen)Welt einmal mehr, dass die Ostafrikanischen Großmächte durchaus besiegbar sind. Paula Radcliffe, die aufgrund einer schweren Fußverletzung (Arthrose) heute wehmütig zusehen müsste, meinte vergangenes Jahr in Berlin: „Für uns europäischen Läuferinnen wird die Konkurrenz einfach noch stärker. Was aber nicht heißt, dass wir nicht mehr mit ihnen mithalten werden – im Gegenteil. Wir können genauso schnell laufen. Ostafrikaner mögen den Vorteil haben, in der Höhe leben und trainieren zu können, aber das ist auch uns möglich. Ich glaube auch, dass es eine Kopfsache ist. Wir dürfen keine Angst vor ihnen haben und müssen an den Sieg glauben.“

Tatyana hatte heute keine Angst, sie glaubte an ihre Fähigkeiten und konnte am drittenbesten mit Schmerzen und Tiefs umgehen!

Und was wurde aus den Favoritinnen??

Mary Keitany

Sie war der große Name, die Gejagte in diesem Olympiarennen. Sie mußte – wider Erwarten – knapp 2 KM vor dem Ziel den undankbaren 4. Platz einnehmen. Sie hatte in den letzten 2,5 Jahren viel Lehrgeld zahlen müssen: das hochgejubelte Debüt, das – für sie enttäuschend – mit Rang 3 endete, oder der gewagte Ausreißversuch beim NYC Marathon 2011, wo sie wenige Kilometer vor dem Ziel abgefangen wurde. Die großen Erwartungen Kenias waren heute auf ihren Schultern gelegen… sie hätte das 1. kenianische Olympiagold bei den Frauen heimlaufen sollen…

Credit: London 2012

Edna Kiplagat

Sie ist die amtierende Weltmeisterin, siegte beeindruckend in NYC. Ihre Trainingsvorbereitung war gut verlaufen… doch es sollte heute nur für den enttäuschenden 20. Rang.

Irina Mikitenko

Auch wenn bereits im Vorfeld ihr wenige Chance gaben, so kann sie mit einer Bestzeit unter 2:20 aufwarten. Für die zweifache London Marathon Siegerin und 2fache World Majors Gewinnerin bliebt heute „nur“ Platz 14. Trotzdem: Respekt vor dieser Leistung!

Credit: London 2012

Shalane Flanagan

Sie siegte im Jänner bei den US-Trails und war für mich ein heißer Tipp gewesen. Ihr Killerinstink und ihre unglaubliche Härte machte sie zu einer ernsthaften Gegnerin für die Ostafrikanerinnen. Mehrmals rannte sie auf die Führungsgruppe auf, doch auf den letzten Kilometern musste sie doch klein bei geben. Schade… trotzdem: beherzt ins Ziel gelaufen und sich als 10. verewigt.

credit: London 2012

Äußerst positiv aufgefallen:

Tetyana Gamera-Shmyrko

Die Ukraninerin räumte auf den letzten Kilometern das Damenfeld von hinten auf. Von Rang 13 bei KM 35 lief sie fast schneller als die Führenden und rannte schlussendlich als Fünfte über die Ziellinie! Gerade einmal 36 Sekunden hinter der Vierten, Mary Keitany.

Jessica Augusto

Die Portugiesin lief ebenso ein sehr kontrolliertes und durchdachtes Rennen. Sie teilte sich ihre Kräfte gut ein und rannte von Platz 13 bei KM 25 auf den 7. Endplatz! 2:25:11… einmal mehr ein Lebenszeichen der Marathonnation Portugal!

Credit: London 2012

Kara Goucher

Im Vorfeld war sie erheblich schwächer als ihre Trainingspartnerin Flanagan eingestuft worden. Doch auch sie ließ sich nicht von den Ostafrikanerinnen beeindrucken und zog ihr Ding durch. Gerade einmal 16 Sekunden hinter Shalane kam Kara als 11. ins Ziel! Wer WM Bronze über 10.000m gewinnen kann, ist auch im Stande einen guten Marathon zu laufen!

Und was wurde aus unserer österreichischen Starterin?

Andrea Mayr finishte nach 2:34:51 auf Rang 54.

Alle weiteren Ergebnisse vom Olympiarennen findest du hier

Dieser Olympische Marathon hat hoffentlich viele inspiriert… vor allem unsere jungen Läufer(innen) – Immerhin lautet ja das Motto von London 2012: inspire a generation!!!

2 comments on “Olympischer Frauenmarathon 2012: Ergebnisse und Statistik

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