HARTER KAMPF UNTER KENIANERN UM OLYMPIATICKET

Credit: Runnersworld.de

98 days to go. Die Olympischen Spiele in London nähern sich mit großen Schritten. Und genau auf Londoner Boden wird sich am kommenden Sonntag entscheiden, wer für das stärkste Langstreckenteam der Welt um Olympischen Lorbeeren kämpfen darf. Während viele Nationen oft nicht wissen, woher sie Anwärter für Marathonmedaillen nehmen sollen, beschäftigt Kenia das Luxusproblem: wer von den Vielzahl an Dominatoren der Szene zu Olympia schicken?

Im Herbst 2011 sicherte der Kenianische Verband – wohl etwas vorschnell – dem Weltrekordhalter Patrick Makau und dem zweifachen Weltmeister (2009, 2011) Abel Kirui einen Startplatz zu. Einige Wochen später kam das Dementi: … Ende April 2012, nach den großen Frühjahrsmarathons, soll entschieden werden. Nach Rennen in Dubai, Rotterdam und Paris folgt jetzt noch London. Und genau dort tummelt sich derzeit die wohl größte Dichte an potentiellen Kandidaten.

Vorentscheidungen schon gefallen?

Nicht nur, dass es die allerletzte Chance ist, macht den London Marathon 2012 so spannend. Auch die vorangegangenen Rennen in Europa und den USA spielen eine indirekte Rolle. Viele hatten bei den Rennen in Boston und Rotterdam bereits Vorentscheidungen erwartet. In den Niederlanden wollte der 2. schnellste Mann der Welt, Moses Mosop mit einem Weltrekord alles klar machen. Seine Rechnung ging nicht auf. Er landete in „nur“ 2:05:03 auf Platz 3. Einen Tag später, beim traditionsreichen Boston Marathon, plante Vorjahressieger und inoffizieller Weltrekordhalter Geoffrey Mutai (2:03:02) den Sack zu zumachen. Doch bei KM 30 war für ihn  Endstation. Magenprobleme zwangen ihn zur Aufgabe.

Emmanuel Mutai (2:04:40 p.B. und Vorjahressieger in London), Patrick Makau (2:03:38 und 2facher Berlin Marathon Sieger), Wilson Kipsang (2:03:42 und 2facher Frankfurt Marathon Sieger), Abel Kirui (2facher Weltmeister), Vincent Kipruto  (Vize-Weltmeister) und auch Martin Lel (mehrfacher London und NYC Marathon Sieger) zieren die Startliste für Sonntag. Sie stehen als Gegner nebeneinander in Greenwich, in den Tagen davor liefen sie gemeinsame Trainings lachend entlang der Themse. „Wir sind gute Freunde, wir werden uns am Sonntag gegenseitig unterstützen. Möge der Stärkste auf den letzten Metern gewinnen!“ so Abel Kirui lachend und meint weiter: „gleich wer siegt, wir werden am Sonntag gemeinsam feiern.“ Gleich wie ihr Laufstil, gehen sie auch mit dieser extremen Nervenanspannung fast spielend um. Anders ihre Manager und Trainer: ihnen ist die Anspannung ins Gesicht geschrieben. Jeder gibt sich selbstsicher und doch belauern sie sich gegenseitig.

Heißes Damenrennen

Doch nicht nur bei den Männern ist der Endspurt um die Olympiatickets eröffnet: auch bei den Damen entscheidet die Performance bei den inoffiziellen Kenia-Meisterschaften in London. Mary Keitany, Lucy Kabuu, Florence Kiplagat, Edna Kiplagat, Priscah Jeptoo – jede dieser Damen will in gut drei Monaten dabei sein.

Der Kenianische Leichtathletikverband gibt sich im Vorfeld bedeckt, es wurden keine klaren Entscheidungskriterien bekannt gegeben. „Die Zeiten werden eine große Rolle spielen,“ erklärte Vorsitzender Isiah Kiplagat, aber eben nicht nur. Spannung ist somit garantiert.

Sieg ist nicht gleich Sieg

Doch der großen Thematik zum Trotz müssen die Kenianer in der diesjährigen Frühjahrssaison aufpassen, dass sie vor lauter internem Fokus auf das Ausscheidungsverfahren nicht die lauernden Konkurrenten übersehen. Nicht nur in Hinblick auf die Spiele, sondern auch beim sonntägigen Rennen. In Rotterdam etwa kostete Moses Mosop eine taktische Unachtsamkeit nicht nur den Sieg, sondern wahrscheinlich auch ein Flugticket zu den Spielen. Und mit Geneti, Kebede, Lilesa und Worku stehen gleich vier Äthiopier mit einer Bestzeit von unter 2:05:25 neben den Kenianern am Start.

„Bis zum Halbmarathon wird jeder versuchen sich in Position zu bringen,  dann ist Mathematik angesagt,“ so Kirui, “ jeder muss für sich errechnen, wann er wo einen Angriff startet. Und schlussendlich wird derjenige gewinnen, der im Kopf am stärksten ist.“ Klingt einfach, doch dieses Vorhaben umzusetzen ist wahrscheinlich gleich schwer wie die Wahl für den Kenianischen Verband. Mögen die Besten gewinnen…!

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