Lissabon Halbmarathon

Der Lissabon Halbmarathon zählt mit seinen insgesamt 38.000 Teilnehmern (30.000 @ Halbmarathon und Mini Marathon über 7,4km und 8.000 bei Kids- und Familyrennen) zu den größten seiner Art. Dem nicht genug: die extrem schnelle Strecke und der atemberaubende Ausblick beim Lauf über die zweitgrößte Hängebrücke der Welt macht dieses Rennen zu etwas ganz Besonderem. Vergangenes Wochenende hatte ich die Ehre sechs Läufer unseres Klagenfurter After Work Lauftreffs gemeinsam mit drei weiteren Betreuern nach Lissabon zu begleiten.

Noch jetzt läuft mir die Gänsehaut, wenn ich an:
– die angespannten Gesichter
– den nicht enden wollende Läuferstrom über die Brücke
– alle die emotionalen Zieleinläufe
– die großartige Stimmung im Team, wo jeder jeden voll Freude und Elan unterstützte,
denke…

Wie es unseren Helden ergangen ist, lässt sich nur schwer von mir ausdrücken. Daher erzählen SIE über ihre Eindrücke und Erfahrungen…

ARNULF
Er war von Beginn an eifrig bei unserem Lauftreff mit dabei und mit Lissabon stand nun sein erster internationaler Lauf – noch dazu ein Halbmarathon – auf der Zielliste ganz oben…

„Er war da, der große Tag auf den ich mich schon seit einem halben Jahr vorbereitete hatte. Der Tag, der mich mental schon seit Monaten quälte, der Tag, über den ich mir tausende Gedanken gemacht hatte.

Tagwache 06.30, bereit für die Operation „22a Meia Maratona de Lisboa“. Ab in die Laufsachen und dann weiter zum Frühstück. Die Anspannung war groß, das Adrenalin schon mehr als vorhanden. Ich war einfach in Trance, konnte kaum mehr etwas wahrnehmen, mit den Gedanken war ich schon am Start.

Danach ging es mit der Laufgruppe im Taxi zur Railstation, wo wir mit dem Zug unter der Brücke aller  Brücken, der „Ponte 25 de abril“, zum Start gebracht wurden. Auf dem Weg zum Start bot sich ein Bild, welches mich – als Läufergreenhorn – vor lauter Staunen – erbleichen ließ: Tausende, ja zigtausende frenetische Läufer, die alle das gleiche Ziel hatten, einen der größten Halbmarathons der Erde zu bewältigen, zu gewinnen, persönliche Rekorde aufzustellen, ans Ziel zu kommen, oder einfach nur zu debütieren.

Es war noch eine Stunde Zeit, der „Ruhepuls“ bewegte sich bereits im dreistelligen Bereich, das historische Kopfsteinpflaster glänzte in der Sonne und der Christo-Rei wachte über uns bei strahlendem Wetter. Ich versuchte meine Aufregung mit vorgetäuschter Coolness zu verstecken, vergebens, denn jeder Laie konnte eins und eins zusammenzählen und wusste was mit mir los war.

Dann war es soweit, exakt 10.30, der Startschuss knallte, die Menschenmasse signalisierte den in der Luft befindlichen Kamerahelikopter „Wir sind dabei“!!! und dann ging es ab mit den ersten 3 Kilometer über dem Tejo. Die Brücke bebte vor lauter Begeisterung und ich genoss diese Art von Flussüberquerung in vollen Zügen. Die musikalische Begleitung zahlreicher Bands, die lautstark für die akustischen Rahmenbedingungen sorgen sollten, waren einfach nur genial. Es ging weiter ostwärts dem Tejo entlang, bei Kilometer sieben kam die Wende. Danach ging das gleiche Szenario nochmals den westlichen Weg. Andauernd schielte ich auf meine Pulsuhr, die mit einem GPS ausgestattet ist. Da dachte ich: „Gott sei dank, das erste Drittel ist überwunden“. Ich fühlte mich gut und lief die Pace teilweise unter fünf Minuten. Die Laufstrecke war gesäumt von zigtausenden Menschen aller Nationalitäten, wobei aber die Landesherkunft sekundär war. Man wurde von jedem passiven Lauffreund angefeuert. Mittlerweile stand die Sonne schon im Zenit, und da ich nun mal kein Hitzeläufer bin, musste ich meinem hohen Anfangstempo bereits Tribut zollen. Die Pace ging kurz danach schon über die Fünfminutenmarke, was sich dann eben auf meine Endzeit auswirken sollte.

Es war einfach heiß, ja schon fürchterlich heiß, meine Blicke richteten sich schon die ganze Zeit auf die am Straßenrand aufgestellten Kilometertafeln. Meine Beine waren geprägt von den Strapazen, meine Schienbeinschmerzen meldeten sich auch wieder zu Wort und ich versuchte mit aller Gewalt noch von Km 19 bis ans Ziel zu kommen. Die Stimmung auf den letzten hundert Metern schwabte über, ich zog eine rot-weiß-rote Fahne aus meiner Gesäßtasche und lief mit dieser und emporgehobenen Händen mit Tränen in den Augen über die Ziellinie. Aus den Lautsprechern tönte es lautstark „go Austria go“. „I did it“ dachte ich mir, schnappte mir noch meine Finishermedaille, fühlte mich als kleiner Sieger und ging anschließend zu meinen Lauffreunden, die schon im Ziel auf mich warteten.  Das waren die bewegendsten Eindrücke einer so historischen Laufveranstaltung. „Lisbon I`ll come back again“. Keep on running“

ILSE

Sie hatte sich für ihr internationales Debüt den Mini Marathon über 7,4km ausgesucht! Und das schaffte sie mit tadelloser Bravor!

Wenn ich gewusst hätte, dass es beim Volkslauf – genannt MiniMarathon – keine Zeitnehmung gibt, hätte ich mich vorher intensiver mit meinem virtuellen Partner (Garmin) beschäftigt. Genau so wie die Halbmarathonläufer durfte auch ich auf der Ponte de 25 abril auf den Start warten. Eine Wahnsinns Stimmung mit viel Musik und Tanz zum Aufwärmen!

Der START: Der erste Kilometer – ein ZickZackKurs zwischen Familien vom Enkerl bis zum Opa Hand-in-Hand-gehend(!). Daher musste ich mehr als 7,4k laufen – es waren 7,88k. Wichtig für mich: ich habe mit 5:37min am Kilometer (natürlich bergab) meinen persönlichen Rekord gebrochen. Und stolz bin auf meine Medaille.

Natürlich war die Zeit zu kurz, um Lissabon kennen zu lernen. Aber einen groben Überblick konnten wir uns mit den zwei Sight-Seeing-Tours – Patricia, Arnulf, Gabi, Gerhard und ich wollten nicht mehr „laufen“ – schaffen. Vielen Dank an die ganze Gruppe – wir waren ein super Team – es war eine wunderschöne Reise. Ach, und wo findet der nächste Marathon statt?“ Startvideo

GERHARD

Er hatte bereits einige Halbmarathons in den Beinen und wollte seine bestehende Bestzeit von 1:47 unterbieten. Dafür hatte er den ganzen Winter über – unter anderem beim After Work Lauftreff und auch beim ODLO Lauftreff – fleißig trainiert.

„Um zum Start zu kommen wählten wir den Zug. Am Zielbahnhof dann das erste WOW – das sind Menschenmengen 🙂 Die Wanderung danach zum Startgebiet verging wie im Fluge.  Dort angekommen war  dann gleich die Aufteilung in separate Zonen zwischen dem  Minimarathon (hinten) und dem Halbmarathon (vorne).

Erster Eindruck für mich, dessen größte Laufveranstaltung bisher „Kärnten läuft“ war, auch hier wieder, das sind Menschenmassen! Dabei wurde aber durch das Einteilen in mehrere Zonen geschickt verhindert, dass sich zu viele Personen auf einen Platz drängten. Als dann der Starttermin näher rückte wurden die Zonen aufgelassen und wir rückten langsam vorwärts.  Anders als z.B. bei Kärnten läuft gab es allerdings keinen Transportservice vom Start zum Ziel. Wärmende Bekleidung wurde von den meisten deshalb entweder umgebunden, in die Mülltonne geworfen oder einfach auf dem Boden liegengelassen. Dank Vorwarnung war ich aber schon entsprechend gerüstet und der kleidsame 😉 selbstgebastelte Müllbeutel-Poncho wurde wenige Minuten vor dem Start in die Tonne befördert.

Und dann kam er, der ersehnte Startschuss 🙂 – und ich sprintete los … bzw. wollte es, aber nix da, es ging nicht. Die enorme Teilnehmerzahl forderten ihr Tribut – es ging die ersten Sekunden nur im gemütlichen Schritttempo weiter. Rasch öffnete sich aber eine Lücke und ich sprintete nun wirklich los 🙂  Im Zick/Zack Kurs ging es dann die ersten Minuten weiter und so erreichte ich rasch einen angenehmen Platz für mein Tempo (etwas über 5er Schnitt). Und so konnte ich mich ein wenig umsehen und wieder „WOW“, es war wirklich ein herrliches Gefühl. Die lange Brücke unter mir, rechts und links breiteten sich die letzten Meter des Tejos aus, der in den Atlantik mündet. Vor mir die herrliche Sicht auf Lissabon und um mich herum die unterschiedlichsten Läufer als aller Welt. Ein wahrlich erhebendes Erlebnis!

Nach der Brücke ging es in einer längeren Schleife recht steil abwärts zur Stadt. Unten gab es dann jede Menge Zuschauer, die uns anfeuerten und für eine herrliche Motivation sorgten. So ging es dann weiter  bis zum ersten Wendepunkt. Mit den Kilometern stieg aber auch die Temperatur, aber ich war von anderen Läufen schon wesentlich Wilderes gewohnt. Leichter Wind sorgte immer wieder mal für etwas Abkühlung, ich nutzte aber zumindest bis km 15 jeden Stand um etwas Flüssigkeit zu tanken. Auf halber Strecke traf ich dann auch Gerti und Robert, die mich nach Leibeskräften anfeuerten und so für einen weiteren schönen Motivationsschub sorgten 🙂   Dann ging es vorbei an den Minimarathon-Läufern wobei viele auch diese Veranstaltung für einen gemütlicheren Familienspaziergang nutzten. Da dies sich auf sauber getrennten Bahnen abspielte, war es zumindest für uns Halbmarathonläufer kein Problem, dafür aber nett anzusehen. Nach der letzten Wende blies dann der Wind kühlend ins Gesicht und das baldige Ziel in Sichtweite motivierte zusätzlich. So erreichte ich rasch die Ziellinie in einer persönlichen Rekordzeit von 1:42:26 😀 (5 Minuten schneller als bei meinem letzten Halbmarathon) Und als Dank gab es dann eine schöne Medaille, Getränke, Obst und Eis 🙂  Alles in allem war es einfach ein wunderschöner Lauf und ein unvergessliches Erlebnis!“

GERNOT

Der schnelle KLC Athlet hatte sich einiges für dieses Rennen vorgenommen. Wie es ihm ergangen ist? Einfach nachlesen 🙂

„Eine perfekt organisierte Reise mit lieben und verliebten Menschen.

Fr:Die Anreise war problemlos und wir hatten viel Spass und Freude. Nach Ankunft im Hotel holten wir gemeinsam die Startunterlagen am Expogelände direkt am Meer ab.

Sa: an diesem Tag bereiteten wir uns teilweise gemeinsam mental auf die Strapazen vor, mein Trainer Horst motivierte noch meine  Füsschen, um mich möglichst erholt und aktiviert ins Rennen zu schicken. Beim gemeinsamen Abendessen wurde wieder viel gescherzt und dann ab ins Bett.

So: Beim Frühstück konnte man die Anspannung in der Luft schon spüren, doch als Arnulf in seinen neuen; wunderschön blau gehaltenen Strampler auftauchte, ging bei mir die Anspannung sofort in Freude über .

Das Rennen: super ging ich ins Rennen, was sich auf denn ersten 5k mit 15:59min bemerkbar machte. Es ging dann noch so eine Zeit lang dahin, aber nicht lange!! Nach 21,1km kam ich gesund in 1:12:47, aber unzufrieden, ins Ziel. 

Lissabon war super toll – abgesehen davon, dass ich das, was ich erreichen wollte zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht leisten kann. Mein  Gespür hatte es mir mitgeteilt, aber der Wille und die Hoffnung stirbt zuletzt. So stehe ich nun wieder mit beiden Füssen bei meiner Familie, die ich gerne dabei gehabt hätte. Meine Frau ärgert mich wieder, was unter normalen Umständen meine Leistung sportlich steigert :-)“

Anmerkung: mit dieser Zeit belegte Gernot den großartigen 47. Gesamtrang – und das in einem Feld, in dem unter anderem der Halbmarathon-Weltrekordhalter lief!

GABI

Auch Gabi gehört zu den Fixstartern beim Klagenfurter After Work Lauftreff und arbeitet ehrgeizig an ihrem Halbmarathon Projekt. Sie schlug sich mit 1:47 mehr als ausgezeichnet und konnte wieder wertvolle Erfahrungen sammeln. Denn nach dem Halbmarathon ist immer vor dem Halbmarathon.

„So schöne Tage wie in Lissabon hab ich schon lange nicht mehr gehabt und lustig war es natürlich auch! Aber am Morgen des Halbmarathons – da war etwas ganz besonderes an meiner Tür! Ein Plakat, wo meine Tochter  und darauf waren. Darauf stand: „Gabi, go 4 it“ Das war unglaublich… es gab mir unendliche Kraft! Ich werde diese Reise nie vergessen!“

PATRICIA

Froh und bestens gelaunt gibt sich immer unsere Patricia. So auch in Lissabon. Aber in den Stunden vor dem Start zeigte sie sich von einer ganz neuen Seite. Doch kaum war sie im Ziel – war sie wieder FAST die Alte… nur noch glücklicher…

„Schön war’s. Und die Reise war ihr Geld wirklich wert. Nicht nur, dass wir den Frühling etwa 10 Tage eher genießen konnten. Es waren auch die Eindrücke der erlebnisreichen Stadt, die Art und Weise wie wir in unserem  immer gut aufgelegten Team die City zu Fuß, per Tram und mit dem Bus eroberten.

Der Lauf geriet fast schon zur Nebensache. Aber am Sonntag war es dann soweit!!! Für mich als Halbmarathon-Debütantin ein besonderes Erlebnis! Eine Achterbahn  der Gefühle von Beginn an. Oft wusste ich nicht, soll ich lachen oder weinen. Immer wieder lief mir die Gänsehaut über den Rücken.  Der gigantische Anblick ob der großen Menschenmasse,  zu wissen, dass die leere Brücke in kurzer Zeit „überfüllt“ sein wird und „Christus Rei“, der uns mit seinen offenen Armen beschütze und uns seinen ganz persönlichen „Reisesegen“ mit gab!

Nach dem Startschuss war ich dann ganz bei mir, versuchte von Beginn an mein Tempo zu laufen und mich nicht von der Masse anstecken zu lassen. Schritt für Schritt kam ich meinem Ziel immer näher und genoss jeden einzelnen davon, bis Kilometer 14. Ab diesem Zeitpunkt konnte ich nur mehr jeden 4 Schritt genießen. Ich hatte Füße schwer wie Blei und ich tat mir schon richtig schwer- aber jetzt kamen all die wertvollen Tipps meiner zahlreichen „Trainer“ zu Gute: kleinere Schritte, richtig atmen, aufrechte Haltung, viel trinken, trotz alledem die positiven Eindrücke aufnehmen……  ( Vielen Dank euch allen)!!

Nach 2:06:36 hielt ich müde, stolz, glücklich, zu Tränen gerührt meine 1. Halbmarathon-Medaille in meinen Händen!!

 FOLLOW ME– TO THE NEXT MARATHON!!!!!“

Es bereitet mir einfach unendlich große Freude zu sehen, wie glücklich und erfreut unsere Läufer zu Hause ankamen. Und so mancher (wie zu lesen ist) träumt schon vom nächsten Laufabenteuer!

WE DID IT!

Wer mehr über den Lissabon Halbmarathon (inkl. Resultate) erfahren will, einfach hier klicken…

Eine tolle Fotostory über unseren Lissabon Ausflug findest du unter www.ichlaufe.org… Einfach reinschauen!

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