Laufschuhe: wohin damit?

In unzähligen Beiträgen geben wir lieben Laufjournalisten Tipps für den Laufschuhkauf, holen uns Background Stories von Produzenten und Forscher und versuchen die Unterschiede zwischen den einzelnen Marken und Produktgruppe einfach und gut verständlich zu transportieren. Immerhin geht es um die heiligen Untersätze der Läufer – mich natürlich eingeschlossen.

Aus Usersicht betrachtet, ist es immer ein ganz besonderer Moment, wenn ich das erste Mal in ein neues Paar hinein schlüpfe und die ersten Kilometer darin zurück lege. Noch spannender wird es, wenn ein neues Modell oder gar eine neue Marke den Berührungspunkt mit dem Boden bildet. Und dann die alles und entscheidende Frage: ist es wirklich die Liebe auf den ersten Blick?

Das Dumme ist nur, dass die Liebe zu einem bestimmten Paar Laufschuhe nicht auf ewig hält. Sie ereilt ein ähnliches Schicksal wie vieles in unserer Zeit und unserer Gesellschaft – Schlagwort: Lebensabschnittspartner. Was noch hinzukommt: unsere Füsse leben nicht monogam. Schon alleine fürs Training zählen mindestens drei unterschiedliche Modelle zum Rennstall –  bei Vielläufern idealerweise natürlich mehr. So predigen wir es zumindest in den Magazinen, Blogs und Co. Eine Grenze nach oben gibt es nicht wirklich. Dem nicht genug: hinzu kommen dann noch die Trailschuhe für die Einheiten im Gelände und die Wettkampfschuhe dürfen auf keinen Fall vergessen werden! Wobei ich zugeben muss: so tragen wir Läufer einen Teil zur Wirtschaftsbelebung bei und, um ehrlich zu sein, lieber kaufe ich mir Laufschuh, als dass ich mich durch die unendlich langen Schuhregale voll mit den unzähligen Strassenschuhmodellen quäle , von denen 90% in 4 Monaten schon wieder out sind.

Dass im  Schuhregal UND auf der Schuhablage chronischer Platzmangel herrscht, versteht sich von selbst. Da kann es schon mal vorkommen, dass man(n) und /oder frau vor lauter Wald die Bäume nicht mehr sieht… In zeitlich eng kalkulierten Situation kann es dann schon mal zu einem glatten Fehlgriff kommen. Nicht nur im Training, sondern auch im Alltag. Besonders verzwickt wird es, wenn für das Business Meeting in der Eile die schönen schwarzen Schuhe nicht mehr auffindbar sind und aus der puren Verzweiflung die Laufschuhe (Gott sei Dank in dezentem schwarz gehalten) herhalten müssen. Aber auch das ist eine interessante Erfahrung: von staunenden Blicken, über ein Schmunzeln bis zu heller Begeisterung ist alles möglich. Nur eine ordentliche Portion Mut des Trägers oder der Trägerin darf nicht fehlen…

Wie so oft in unserem Konsumverhalten, haben auch die geliebten Laufschuhe ein Ablaufdatum. Spätestens, wenn das Schienbein oder eines der Knie aufgrund des ausgelatschten Fußbetts zu schmerzen beginnen, wird es Zeit sich zu trennen. Wobei die Überlebensdauer sehr individuell ist. Die Beliebtesten dürfen in ihrer Pension noch als Freizeitschuhe dienen und auf ihre alten Tage Ausflüge in Supermärkte und zu einem gemütlichen Abendspaziergang mitkommen.

Vielleicht weniger gut (so genau kann ich das nicht sagen) erwischen es jene, die nach einer meiner Ausmistattacke im Altkleidercontainer landen. Ob sie von ihren neuen Besitzer mehr oder weniger gequält werden, als von meinen Füssen??? Eine interessante Frage… doch leider ohne Antwort.

Mit großem Interesse habe ich einen Blogeintrag von Marcel Fehr, eine der deutschen Nachwuchshoffnungen auf der Langstrecke gelesen. Er verbrachte diesen Herbst im kenianischen Hochland und schildert im Blog seine Kenia Abenteuer. Dazu gehört auch die Story über die Schuhversprechen an die vielen Laufhoffnungen . Doch schon nach kurzer Zeit neigten sich seine Vorräte zum Verschenken dem Ende. Und so begann ich zu rechnen… alleine aus meinem Bekanntenkreis, was da jährlich an verbrauchten Sportschuhen abfallen. Immerhin stossen wir sie durchschnittlich nach 1.000km ab. Da könnten wir einigen kenianischen Läufer eine sehr große Freude machen…

Credit: WFV Finkenstein

Doch Stop: sollten wir nicht mal vor unsere Haustüre schauen? I had a dream… dass auch österreichische Jugendliche nach Laufschuhen rufen! Dass sie beim Laufen das Gefühl der Leichtigkeit genießen und fröhlich durch die Gegend laufen, anstatt sich mit einigen Kilos zu viel durch die Einkaufsstraßen zu Mc Donalds quälen. Rund 100,– EURO wären gut in ihre Zukunft angelegt, anstatt das Vielfache in späteren Jahren in Wohlstandskrankheiten zu investieren. (Zugegeben, ein Traum. Denn in unseren Breitengraden verfügen die Jugendlichen bereits so viel Geld, dass sie sich problemlos einige Paare leisten können… zumind. der Großteil)

So freue ich mich auch weiterhin auf den schönen Anblick meiner bunten Laufschuhwelt und werde weiter tüfteln, a.) was ich mit meinen zu lange gequälten Fußfreunden mache und b.) wie baldhoffentlich ein bis zwei Paar Laufschuhe den Weg in die Schuhregale von jungen Menschen finden. Ich werde die Hoffnung nicht aufgeben!

Zumindest eine einfache Handlung können wir setzen: der Petition für mehr Bewegung an Österreichs Schulen zustimmen, damit sie im österreichischen Parlament hoffentlich baldigst behandelt wird! Und schlussendlich belebt der Verkauf von mehr Laufschuhen die Wirtschaft 🙂

8 comments on “Laufschuhe: wohin damit?

  1. Wunderbarer Beitrag – und ein ebenso wunderbarer Traum! Wie schaffen es wir mit einem deppensicheren Rezept, unsere Kinder und Jugendlichen in Bewegung zu bringen? Gibt es dieses Rezept überhaupt? Das frag ich mich seit Jahren …

    1. die Fragen aller Fragen… Vielleicht sind einfach der Spaß und die Freude der Zugang… Und das Vorleben… Was es auf jeden Fall nicht ist: der ständige Leistungsdruck. Den haben die Kids eh genug… Wir sollten auf jeden Fall dranbleiben 🙂
      Wie wär’S mit einer Kids-Page von ichlaufe.org 🙂 die jungs und mädls sind teilweise internetaffiner als unsereiner!
      Liebe Grüße

  2. Danke für den Beitrag!
    Man brauch aber nicht unbedingt nach Kenia blicken – auch in unseren Kreisen gibt es genügend Menschen, die sich keine vernünftige Sportbekleidung leisten können. In meinem lehrenden Bekanntenkreis höre ich immer wieder, dass die Kinder und Jugendlichen oft gerade in Bezug auf Sportbekleidung nicht sehr gut ausgerüstet sind. Wenn jemand (duch welche Gründe auch immer) sich gerade mal die alltägliche Kleidung leisten kann, der wird keine Kapazität für ordentliche Sportschuhe oder Sportbekleidung haben.

    Deshalb hab auch ich heuer in Zusammenarbeit von Lehrern und Direktoren eine Sammelaktion für diese bedürfigen Kinder und Jugendlichen gestartet! Noch bis Ende dieser Woche kann man bei mir (in Wien) die Sportbgekleidung abgeben. Natürlich kann man mir auch ein Paket schicken!
    Nächste Woche gibt es dann eine feierliche Übergabe. Ich würde mich freuen, wenn jetzt vielleicht noch jemand entschließt, seinen Kleider- oder Schuhschrank auszumisten…Danke!

    Weitere Infos zu meiner Aktion: http://runtasia.at/runtasia-weihnachtsaktion

    Liebe Grüße,
    Walter

    1. Hallo Walter!
      Vielen DANK für dein Posting…! werde deinen Link gleich auf meine FB Seite stellen… Ich werde auch gleich meinen Beitrag dazu leisten und meinen Schuh- und Kleiderschrank ausmisten. Hoffentlich strahlen dann viele viele Kinderaugen!
      Herzliche Läufergrüße
      Running Zuschi

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