New York City Marathon: mehr als nur 42,2 Kilometer

Während ich meiner Regeneration fröne, fiebern gerade jetzt, wo ich diese Zeilen schreibe, rund 48.000 Läufer ihrem morgigen Start beim New York City Marathon entgegen. ZUGEGEBEN: auch ich fiebere mit… New York ist eben New York – gleich, ob aktiv im Rennen oder aktiv/passiv am Straßenrand oder vor dem Bildschirm. Ich werde morgen – punkt 15.00 MEZ – via EUROSPORT live dabei sein und knapp 100.000 Laufbeinen mit meinen Blicken durch die 5 Boroughs begleiten.

Warm welcome to all runners

Ohne andere großartige Laufevents abzuwerten – New York ist anders. Ich kenne kaum einen Läufer, der nicht davon träumt einmal im Central Park über die Ziellinie zu laufen. Warum gerade dieser City Lauf zum Mekka s avancierte, dafür mag es unzählige Gründe geben. Der Streckenverlauf, die Stimmung, die Geschichte und Tradition, die Stars, die Stadt an sich… Was auch immer… Die gesamte Inszenierung des New York City Marathons, mit all seinen Emotionen, das versteht der Veranstalter, die New York Road Runners (NYRR), wie kaum ein zweiter. Er verpackt das Rennen mit unzähligen spannenden Geschichten, wo jeder sein Teilchen ziehen kann. Die Sehnsucht scheint einen regelrecht in die US-Metropole zu holen.

2007: Mein New York Erlebnis

Vor vier Jahren hatte ich selbst das große Glück mit dabei zu sein und die 26,2 Meilen zu bewältigen. Auch wenn ich bei diesem Marathon mehr gelitten als genossen habe, so bleibt er mir trotzdem in besonderer Erinnerung. Vom frühmorgendlichen Frühstück in unserem Stamm-Lokal, der Überfahrt mit der Fähre nach Staten Island mit der beleuchteten Skyline, der einzigartigen – friedlichen- Atmosphäre im Startbereich, der stressfreien Handhabung von den tausenden Startern und natürlich der gesamte Lauf an sich… Besonders stark blieben die helfenden Anfeuerungsrufe in Harlem und entlang des Central Parks in meinem Kopf hängen. Aber da waren auch die schönen Begegnungen mit Läufern aus allen Ecken der Erde, oder das erste persönliche Treffen mit Paula Radcliffe und Martin Lel.

Was mich alljährlich immer wieder in den Bann zieht, sind die unzähligen Athletengeschichten, die auf diesem langen Weg von Staten Island bis ins grüne Herz von Manhatten geschrieben werden. Wobei Erfolg und Tragödie immer ganz nah aneinander liegen.Ich meine hier nicht die Eliteläufer! Jeder einzelne der über 700.000 ehemaligen Finisher hat seine ganz persönliche Geschichte zu erzählen… und irgendwie wirkt sie in New York noch faszinierender… warum auch immer.

Was für uns Zuschauer an den TV-Geräten direkt im Wohnzimmer landet, das sind die Ereignisse an der vordersten Front. Mary Wittenberg, CEO der NYRR, liegt es regelrecht im Blut, immer wieder einzigartige Athletenkonstellationen zusammenzustellen. Erfahrene Langdistanz-Läufer und Marathon Greenhorns mit bekannten Namen – die perfekte Mischung, um einen spannenden Rennverlauf bis zur Ziellinie zu garantieren.

Trotz eröffneten Kampf um die begehrten Olympiatickets für London 2012, hat es Mary geschafft ein Feld mit den How-is-How the Marathonszene aufzustellen: alleine acht Damen reisten mit einer pB unter 2:25 in den Big Apple, darunter auch Mary Keitany, die stolze 2:19:19 aufzuweisen hat. Das Herrenfeld führt der schnellste Marathonmann aller Zeiten, Geoffrey Mutai (2:03:02 @ Boston 2011) an. Gejagt wird er unter anderem vom Vorjahressieger Gebre Gebremariam, seinem Namensvetter Emmanuel Mutai (London Sieger 2011) und auch von Viktor Röthlin. Es wird spannend, wer sich morgen die New Yorker Krone aufsetzen darf.

Denkmal von Fred Lebow Credit: Seidenstud

Spitzenzeiten und Top-Platzierungen hin oder her – der Vater des New York City Marathons, Fred Lebow, brachte es mit folgenden Zitat mehr als treffend auf den Punkt: „The marathon is a charismatic event. It has everything. It has drama. It has competition. It has camaraderie. It has heroism. Every jogger can’t dream of being an Olympic champion, but he can dream of finishing a marathon.“ Und weil es gerade aus seinem Munde kam… vielleicht ist deshalb der New Yorker Spirit so besonders…

Ich wünsche allen Teilnehmern ALLES ALLES GUTE, VIEL ERFOLG und GENUSS und den Zuschauern VIEL SPASS und INSPIRATION…!

Und wer schon heute ein wenig in die New Yorker Atmosphäre eintauchen möchte, … einfach reinschauen!

2 comments on “New York City Marathon: mehr als nur 42,2 Kilometer

  1. Seit diesem Jahr kenne auch ich den Unterschied zwischen dem New York Marathon und allen anderen 42-km-Events. Ich habe versucht, es mit wenigen Worten in meinem Blog zu beschreiben. Aber ich habe festgestellt, dass es keine Worte gibt, um den Spirit des New York Marathon wieder zu geben: man muss es tatsächlich selbst erleben. Und darum sollte es ein Ziel für jeden Marathoni sein, einmal im Leben am Start dieses einmaligen Marathons zu stehen, und nach 26 Meilen das Ziel im Central Park zu erreichen 🙂

  2. Liebe Edith,
    du hast soeben in meinem Blog jene Nachricht geschrieben, die ich umgekehrt genau so formulieren könnte. Wer einmal in New York dabei war, vergisst diese Momente niemals wieder. Jedes Jahr um diese Zeit (d.h. bereits eine Weile davor) beginnen die wunderbaren Erinnerungen vor meinem geistigen Auge wieder wach zu werden.

    Warum auch immer dieser Lauf diesen ganz besonderen Spirit hat?! Es gibt weltweit viele tolle Marathonläufe! Aber gerade dieser zieht alle bzw. alles in seinen Bann.

    So harren wir eben morgen vor den TV-Geräten und sind dabei, wenn Topläufer Höchstleistungen erbringen und die vielen Hobbyläufer ihre ganz persönlichen Geschichten schreiben. Ich kanns kaum erwarten …!

    Viel Spannung und Spaß – Reinhard

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