Die perfekte Welle: Amsterdam Marathon 2011

die letzten Meter... zur pB 🙂

Während meiner Heimreise aus Amsterdam gingen mir immer wieder die schönen Bilder und die „gänsehauttreibenden“ Eindrücke rund um den geschlagenen Amsterdam Marathon durch den Kopf. Mein Resümee daraus: ja, es ist für mich verdammt gut gelaufen. Eigentlich: perfekt.

Was aber die Frage aufwirft: wann ist ein Lauf perfekt? Ist er es dann, wenn die erhoffte Zeit auf der Stoppuhr steht? Wenn das Gefühl kommt, alles gegeben zu haben? Wenn sich eine unbeschreibliche Zufriedenheit breit macht? Wenn alle Bedingungen 100%ig passen? Rückblickend gibt und gab es eigentlich nicht den einen ausschlaggebenden Punkt, der den Amsterdam Marathon für mich perfekt werden ließ. Viel mehr liegen vor meinem geistigen Auge viele einzelne Puzzleteile, die durch meine neue Bestzeit ein großes schönes Bild ergeben.

Da wären etwa:

  • Das Training, das – Gott sei Dank – ohne Verletzungen und Erkrankungen über die Bühne ging. Wohl auch deshalb, weil ich dieses Mal sehr genau in meinen Körper hineingehört habe. Und auch mal die eine oder andere Einheit sausen ließ… weniger ist manchmal mehr… wie wahr!

    Einfach DER Beste!
  • Der Trainer, der genau hinschaut. Nicht nur bei der Lauftechnik, sondern auch bei der täglichen Verfassung. Und der das Kunststück, Fotograf und Verpflegungslieferant an der Strecke in einer Person mit Bravour hinbekommt!
  • Der Kurs, der schneller nicht sein kann. Gerade einmal zwei Brücken bäumten sich auf der Amsterdamer Streckevor mir auf. Ansonsten ging es wunderbar flach dahin. Vor allem die Kurssetzung macht diese Strecke so besonders: Start und Ziel im historischen Olympiastadion, 3x Vondelpark mit super Stimmung, quer durch die „Vor“stadt ohne extreme Kurven und eine tolle Kulisse entlang der Amstel, wo wider Erwarten die Party abging. Gleichzeitig ist es für Betreuer und Zuschauer problemlos und ohne Stress möglich, den Läufer an unterschiedlichen Punkten zu sehen und optimal zu verpflegen!

    Der Kick auf der Strecke 🙂 Danke Mädls!
  • Die Zuschauer, die ihrem Ruf „Stimmungsmacher“ gerecht wurden. Dutch… gives you much! Während des gesamten Rennens schallten mir die Anfeuerungsrufe entgegen. Und das absolute Highlight: die singenden Holländer auf ihren Amstel Booten… da kann ja fast nichts mehr schiefgehen!!! Das muss man einfach gesehen und erlebt haben!
  • Die persönlichen Cheerleader, die von Punkt zu Punkt fliegen, um mit Transparenten am Wegesrand sich die Seele aus dem Leib schreien. (Zum Glück wurde erst nach dem Lauf so richtig abgerockt ;-))
  • Das holländische Wetter, das sich von seiner wirklich schönsten Seite zeigte: strahlend blauer Himmel, angenehme Temperaturen und (fast) kein Wind! „Das hat uns ganz schön was gekostet,“ so der Race Director mit ernster Mine. BEDANKT!
  • Die Organisation, die mit einer unglaublichen Liebe zum Detail ans Werk geht. Und gepaart mit der holländischen Offenheit und Gastfreundschaft – ohne Hektik – wird so ein Marathon mit 12.000 Teilnehmern zu einem familiären Fest. Überall – gleich, ob bei der Messe, vor, während oder nach dem Lauf: überall warteten lachende und freundliche Gesichter und helfende Worte. Darf es ein bisschen mehr sein… noch eine Banane, noch ein Getränk, … Es müssen nicht immer die prall gefüllten Goodiebags sein… 🙂

    FEARLESS
  • Der Glücksbringer „261“, der mich auf meiner rechten Schulter begleitete: ein Zeichen für weibliche Furchtlosigkeit. Denn … wer nicht wagt, der nicht gewinnt! DANKE Kathrine!
  • Der internationale Spirit, der 83 Nationen friedlich an einer Stelle vereinte. Wo Polen Österreicher anfeuern, Läufer aus Andorra Franzosen Wasser reichen oder Italiener mit Spanier (versuchen zu) plaudern. Aber vor allem: wo es – zumindest, wo ich unterwegs war – keine Drängeleien, Rämplereien oder Schimpfereien gab. Schon lange habe ich nicht mehr so ein großes und zugleich diszipliniertes Laufvolk erlebt.
  • Die lieben Freunde zu Hause, die mir fest die Daumen drückten und fest an mich dachten! An dieser Stelle BEDANKT BEDANKT BEDANKT… nicht nur für eure Unterstützung beim Rennen… sondern v.a. in den Wochen vor dem Lauf!!!!
  • Und schlussendlich einfach die Freude am Laufen. Mit einem Lächeln auf den Lippen laufen zu dürfen ist einfach das A und O… Natürlich schmerzen irgendwann die Beine, trotzdem: es hat bis zum Ziel, bis zum letzten Laufschritt einfach Spaß gemacht. YEAH!
Großartige Läuferin und Vorbild: Lornah Kiplagat

Spaß gemacht hat es auch Lornah Kiplagat (NED) kennen zu lernen… sie ist nach einer dreijährigen Verletzungspause zurück. Ganz für sich lief sie 2:25:52 herunter, sicherte sich so ihren Startplatz für London 2012, den tollen dritten Rang in der Damenwertung und den Nationalen Frauen Marathontitel.

Nach Hause kehrte ich nicht nur mit einer neuen persönlichen Bestzeit und tollen Eindrücken, sondern auch mit einer schönen Aussage von dieser Ausnahmeathletin zurück: „Ich liebe das Laufen und daher möchte ich so lange wie nur möglich meine Laufkarriere genießen. Es muss nicht immer ein Sieg sein oder das Streben nach immer schnelleren Zeiten – alleine die Freude und die eigene Zufriedenheit sollten zählen.“

Und jetzt, gut zwei Tage nach meinem Zieleinlauf im Amsterdamer Olympiastadion zappeln meine Beine wieder und freuen sich auf den nächsten Run. Womit das Puzzelbild den Namen „die perfekte (Lauf)Welle“ mit einem riesigen Grinsen bekommt! In diesem Sinne – keep on running with joy and pride!

4 comments on “Die perfekte Welle: Amsterdam Marathon 2011

  1. Hallo Edith,

    ich bin rein zufällig auf deinen Blog gestoßen – habe bei google nach dem Amsterdam Marathon gesucht ;-). Der nächste Amsterdam Marathon im Oktober 2013 wird nämlich mein erster Marathon sein. Und wie ich sehe, habe ich mir den richtigen ausgesucht. Danke für deinen Bericht, meine Vorfreude wurde nach dem lesen noch größer 🙂

    Viele Grüße
    Jan

    1. Hallo Jan!
      ja, da hast du dir wirklich eine tolle Location für deine Marathon Premiere ausgesucht! Ich habe die Strecke, das Ambiente und die tolle Stimmung sehr genossen… und v.a.: es ist eine sehr flache Strecke, auf der du dir deine Kräfte sehr gut einteilen kannst.

      Ich wünsche dir viel Spaß beim Trainieren und dann natürlich ganz viel Erfolg in Amsterdam… freue mich schon darauf deinen Bericht Mitte Oktober zu lesen 🙂
      Herzliche Grüße
      Running Zuschi 🙂

  2. Liebe Edith,
    vorweg einmal, man merkt dass du eine begnadete Läuferin – wie auch Schreiberin – bist. Auch bei deinem Bericht kommt Gänsehautfeeling auf. Auch die Fotoserie (Flickr) deines persönlichen Fotografen (und, und, und …) ist atemberaubend. Wie muss das erst live gewesen sein. Es dürfte wirklich alles gepasst haben. An dieser Stelle noch einmal meine allerherzlichste Gratulation!
    Beeindruckt hat mich auch die Aussage von Lornah Kiplagat, die sich vor allem Hobbyläufer ins Stammbuch schreiben sollen: “ ….. – alleine die Freude und die eigene Zufriedenheit sollte zählen. Jeder weitere Kommentar erübrigt sich!

    1. Lieber Reinhard, vielen lieben Dank für deine herzlichen Worte! Ja, dieser Lauf war schon was tolles… und vor allem war das Treffen mit Lornah ein krönender Abschluss. Und es macht gleich wieder Lust auf mehr… Freude und Spaß am Laufen 🙂

      Hoffe, dir geht es mittlerweile wieder gut und du kannst einige Läufe starten!
      Bis bald
      Edith

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