Die große Chance: Verletzungen

Credit: HvB

Ja, richtig gelesen: VERLETZUNGEN! Nicht erst einmal saß ich wie ein Häufchen Elend da, verzweifelt, weil ich aufgrund einer Verletzung zum Pausieren gezwungen war. „Was kann ich nur anstellen, damit der Schmerz so rasch wie möglich wieder geht, was soll ich alles ausprobieren, um schnell wieder ins Training einsteigen zu können?“ Fragen über Fragen – mit dem ständigen Blick nach vorne, hastig eilend von einer Lösungsmöglichkeit zur anderen.

Beim Lesen der Blogs von Reinhard „Silberläufer“ oder Din „Eiswürfelimschuh“ fühlte ich mich wieder in diese Zeit zurückversetzt. Viele Hobby- wie Profisportler können sich in ihre Situation hinein versetzen: Ärzte, Diagnosen, Therapien… und das ständige Rödeln im Kopf: „Geht es sich noch aus bis zum D-Day?“

Stressfraktur, Credit: Michael Kaindl

Ich finde es toll, wie die beiden es sich für sich gelöst haben. Reinhard sagte seinen Berlin Marathon Start ab – zum Leidwesen von Haile und Paula, und Din geht nicht nur konsequent ihren Genesungsweg nach vorne, sie wagte auch einen Blick zurück. Sie analysierte meines Erachtens sehr genau, wie es dazu kam. Was sie vernachlässigt hatte (zu wenig Mobilisierung des Bewegungsapparates zwischen den Trainingseinheiten) und was sie an zu viel ihrem Körper zu gemutet hatte.

Und das war für  mich immer wieder der entscheidende Punkt: die Evaluierung, das in mich hinein hören: lieber Körper, warum reagierst du so? Was ist passiert? Wer Sport – gleich ob Ausdauer oder Kraft – betreibt, braucht nicht nur einen starken Willen, sondern auch einen starken Körper. Nicht die Leistung sollte der persönliche Parameter sein, sondern die Leistungsfähigkeit des Körpers. Er ist der Partner auf dem Weg dort hin und gemeinsam gilt es den Weg in die Stärke zu finden und zu gehen. Manchmal ist der Kopf mit 180 Sachen unterwegs, der Körper kann aber gerade mal 120 . Also – runter vom Gas – Gleichfahrt ist angesagt, sonst zerreißt es einen, im wahrsten Sinne des Wortes. AUCH WENN ES MANCHMAL VERDAMMT SCHWER FÄLLT!!!

Es sind einfach Grenzerfahrungen und sie bieten die wunderbare Chance aus Fehlern zu lernen und sich selbst – als Ganzes – noch besser kennenzulernen. Ich machte die Erfahrung, dass ich weitaus gestärkter aus dieser Zerbrechlichkeit heraus kam. Hätte ich weiter gepowert wie eine Wilde, die Signale überhört, es wäre alles nur noch schlimmer geworden. (An dieser Stelle ein ganz großes DANKE an Horst,  meine bessere Hälfte 🙂 und Coach 🙂 , der mich in vielen langen Gesprächen gebremst und zum Reflektieren gemahnt hat!)

Credit: HvB

Beeindruckt hat mich in diesem Zusammenhang der „Genesungsbesuch“ bei Edith Niederfriniger. Sie erlitt beim diesjährigen IRONMAN Austria einen Ermüdungsbruch am linken Bein. Sie war top in Form gewesen, knallte ihre beste Radzeit auf den Kärntner Asphalt und dann.. bei Laufkilometer fünf war der Traum von einem Sieg oder Podestplatz vorbei. Gelassen und fröhlich saßen wir dann gerade einmal eine Woche später, sie mit einem riesigen

Gips am Bein, in Meran und genossen einen Nachmittagskaffee. „Jammern bringt nichts,“ meinte sie lachend. Sie nützt jetzt die Zeit für eine gute Regeneration und widmet sich jenen Dingen, die sonst immer zu kurz kommen. Gleichzeitig sieht sie es auch als Chance ihr neues Business Pro Train voranzutreiben. Ihre Sportleidenschaft hat sie natürlich nicht ad acta gelegt… im Gegenteil: trotz Gips radelt zu Hause auf der Walze und überlegt, wo neue Triathlons auf sie warten. Aber eben nicht auf biegen und brechen…

Aber auch die Gespräche mit Claudio Berardelli, dem italienischen Coach zahlreicher Kenianischer Erfolgsläufer, brachte das Thema auf den Punkt: wer seinen Körper pusht, muss ihn im Gegenzug auch entschleunigen. REGENERATION – aktiv wie passiv – steht bei ihm ganz oben auf der Liste! (By the way: Für die Kenianer ist die 2. Trainingseinheit IMMER ein lockeres Spazierenlaufen!!!)

Wundermittel: Regenerative Einheit, Credit: HvB

Ich wünsche euch weiterhin viel Spaß und Freude bei unserer LEIDENSCHAFT – dem Laufen!! ENJOY!!

2 comments on “Die große Chance: Verletzungen

  1. Liebe Edith, ein wunderbarer Artikel und für Nadin und mich gleichermaßen treffend, wie auch motivierend. Denn deine Zeilen, wie auch deine Erfahrung, sind sehr hilfreich im Umgang mit der Situation der beiden genannten Lauf-Blogger. Aber natürlich auch für die vielen unbekannten LäuferInnen, die ebenfalls eine Verletzungspause machen (müssen).

    Es kommt ja für die „Betroffenen“ zumeist sehr plötzlich. Doch wenn man genau aufpasst, dann waren die Zeichen ja schon viel früher da. Verdrängen ist so eine viel praktizierte Variante (der Männer), um dann noch intensiver erwischt zu werden. Wie geht man damit um, das ist der entscheidende Punkt, denn die „Jammerei“ bringt dich nicht wirklich weiter.

    Ich für mich habe ein paar Entscheidungen getroffen, die mir den Druck nahmen und versuche, teils mit fremder Hilfe, meinen Körper wieder fit zu kriegen. Wie und bis wann ist noch ungewiss, da meine „Leiden“ noch immer nicht richtig diagnostiziert werden konnten. Der einzige Punkt, der mich nachdenklich stimmt!

    Dir danke ich jedoch für diesen Bericht, der mir sehr geholfen hat, die Chance zu erkennen und die Möglichkeiten, die sich daraus ergeben, zu nutzen!

  2. Ja, wirklich wahr! Jammern hilft nicht, auch wenn ich mich zwischen drin schon das ein oder andere Mal sehr gern kreischend und strampelnd auf den Boden geworfen hätte. Aber die Zeit der Genesung vergeht schneller, als man zu Beginn noch glauben mag und sind tatsächlich eine wirklich gut Chance, nachzudenken, Änderungen und Neuerungen einzuführen. Natürlich wünscht man niemandem eine Verletzung, aber diese kann und sollte man, wie du sagst, als Chance nutzen.

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