Läuft SIE anders?

Eine Frage, über die wahrscheinlich schon jeder, der mit dem Laufsport zu tun hat, nachgedacht oder diskutiert hat. Ich habe auch schon häufig darüber nachgedacht… meine Erkenntnisse?!

Credit: Irongirl Austria

Nun, ich möchte jetzt nicht mit wissenschaftlichen Studienergebnissen anrücken. Eher sind es meine Beobachtungen bei diversen Läufen sowie Geschichten und Begegnungen mit laufenden Damen, wobei diese natürlich subjektive Betrachtungen sind…

Die emotionale Wettkämpferin

Credit: Horst von Bohlen

Vergangenen Mittwoch schlüpfte ich beim Klagenfurter Altstadtlauf in die Zuschauer- und Anfeuerin Rolle und hatte dabei die beste Gelegenheit Unterschiede auszukundschaften. Einige meiner Eindrücke:

  • Frauen schaffen es- auch bei hoher Laufgeschwindigkeit – zu winken
  • Frauen können aber auch die Mitläuferin vor ihr mit Blicken (fast) killen
  • Frauen trauen sich auch als letzter Teilnehmer ins Ziel zu kommen und trotzdem zu jubeln

An diesem Abend erschienen sie mir in alle Richtungen emotionaler als ihre männlichen Mitstreiter. Vor allem das Lachen vor, während und nach dem Bewerb mehrheitlich strahlte weiblich …

Die gefeierte Partyläuferin

Frauenläufe sind historisch jung – gerade einmal seit 40 Jahren gibt es Straßenrennen

für Frauen. Vorreiter war der New Yorker Mini 10K, der Anfang Juni seinen 40er feierte. Was damals mit einer kleinen Promotiontour begann, ist heute eine weltweite Erfolgsgeschichte.

Bei meinen Recherchen zu den größten Europäischen Frauenläufen für meinen Artikel im eben neu erschienenen RUNNING Magazin, stieß ich auf wirklich beachtliche Zahlen: alleine beim größten Frauenlauf der Welt, dem FLORA Women’s Mini Marathon in Dublin nahmen alleine 2011 über 40.000 Frauen teil, seit seinem Bestehen zählte der Veranstalter 778.000 Starterinnen. Würde man alle Frauenläufe in Europa addieren, hätten wir ein beachtliches Völkchen beisammen… Bei all diesen women’s only Rennen steht nicht nur das sportliche Ereignis im Mittelpunkt. Viel eher handelt es sich dabei um riesige Frauenparties gepaart mit dynamischen Lifestyle.

  • Frauen erleben Laufbewerbe als riesige Party
  • Frauen wissen trotz körperlicher Anstrengung – gleich der Endzeit – sich selbst zu feiern
  • Frauen gestalten Lauffeste wesentlich mit – und lassen dem Veranstalter klar wissen, was gefällt und was NICHT

Ein tolles Beispiel: der Österreichische DM Frauenlauf in Wien:

Die unvergleichbare Athletin

Credit: IOC/Richard Juilliart

Der weibliche Körper funktioniert physiologisch anderes… eh klar, sonst wären wir ja Männer! Unter anderem fasste Dr. Dieter Kleinmann in seinem Beitrag “Unterschied zwischen Frau und Mann im Laufsport” auf der German Road Races Homepage alles rund um Körperbau, Muskulatur, Maximale Sauerstoffaufnahme u.ä. zusammen. Und nicht alles ist zum Nachteil der Frau. Auch wenn es nicht dazu ausreicht, Männerrekorde zu brechen. Aber darauf kommt es ja nicht an! Bewegung, wie eben das Laufen, eröffnete in den letzten Jahrzehnten Frauen neue Chance in der Gesellschaft, im Beruf, in ihrer Unabhängigkeit. Und vielleicht ist das gerade der wesentlichste Unterschied – zumindest historisch gesehen… warum Frauen anders laufen.

  • In Japan sind Marathonläuferinnen wie Mizuki Noguchi die großen Nationalheldinnen – und nicht mehr die Sumoringer!
  • In Ostafrika werden Frauen nicht mehr als Heiratsware gehandelt, sondern verdienen durch das Laufen ihr eigenes Geld und zu großen Vorbildern werden, wie Tegla Loroupe
  • und jeder kennt aus seiner Nachbarschaft eine Frau, die in ein neues Lebensgefühl hinein lief… wie auch immer es aussah

Wie sind eure e, Erlebnisse, Erkenntnisse? Frauen und Männer – macht gemeinsam ein Bild komplett!

PS. Die Aussage von Herrn Dr. Ahmet Hamidi  “Sport für Frauen nicht gut” , die im KURIER vom 23.6.2011 ausführlich erörtert wurde, möchte ich weder kommentieren und noch diskutieren. Die laufende Damenwelt beweist ihm so und so eindrucksvoll das Gegenteil!

4 comments on “Läuft SIE anders?

  1. An Sylvie!
    Natürlich lässt es sich stundenlang über den Laufstil im allgemeinen diskutieren. Bezugnehmend auf den Artikel von Edith gibt es also vom Stil her zwei gravierende Unterschiede, Mann und Frau. Eh klar! So, und dann gibt es eben die Besonderheiten, die ebenso vielfältig sind, wie die Menschen selbst. So hatte z.B. Gerhard Hartmann, der ja bis vor nicht allzu langer Zeit österreichischer Marathon-Rekordhalter war, einen eigenwilligen Laufstil, die Hände stets ober dem Brustkorb. Und war damit sehr erfolgreich. Genauso ist Paula Radcliff schon von weitem zu erkennen, wenn sie kopfnickend daher kommt. Sie ist damit noch immer sehr erfolgreich und wird es am Sonntag hoffentlich auch in Berlin sein!

    Was will ich damit sagen? Genauso wie die hier geschilderten Athleten (es gäbe noch viel mehr Beispiele) einen Lausfstil gefunden haben, der für sie persönlich passt und sie damit zu erfolgreichen LäuferInnen macht, genauso hast auch du einen Stil gefunden der für dich ideal ist. Und darum geht es ja! Warum er mir aufgefallen ist? Weil du im Gegensatz zu vielen anderen LäuferInnen sehr aufrecht unterwegs bist Auch hier gibt dir der Erfolg recht! Das bedeutet gleichzeitig, dass das weder ungraziös, noch schwerfällig und schon gar nicht mies ist. Es hebt dich einfach von der Masse ab!

    Natürlich beobachte ich viele Läufer. Dies deshalb, weil ich nicht nur selbst viel laufe, an Wettbewerben teilnehme (und in den hinteren Rängen mehr Zeit habe zum Schau’n), aber mich auch oft als Streckenposten zur Verfügung stelle. In meinem Posting bezog ich mich daher auf ein Beispiel einer bekannten Athletin. In dem Fall dich! Dass meine Wortwahl dabei ungeschickt war scheint mir entgangen zu sein. Es tut mir daher unendlich leid dass du annehmen musstest, dich dadurch persönlich beurteilt bzw. belehrt zu haben. Was nicht der Fall ist und mir auch nicht zusteht! An dieser Stelle entschuldige ich mich auch dafür!!

    Die meisten die mich kennen werden bestätigen, dass ich anderen Menschen gegenüber stets positiv und mit Freude, Höflichkeit und Respekt gegenüber trete. Wir kennen uns nicht persönlich, obwohl wir uns schon mehrmals gesehen haben (also ich dich). Ich würde mich also persönlich sehr freuen, wenn ich díe Möglichkeit dazu hätte einmal persönlich ein paar Worte wechseln zu können, um dein Bild von mir wieder gerade rücken zu können. Vielleicht laufend, aber dann bitte mit einem gemäßigtem Tempo!

    Liebe Grüße – Reinhard

    1. Hallo Reinhard!

      vielen Dank für diese Erläuterungen;-) Es freut mich, dass du so nett zurückgeschrieben hast! Das ich sehr aufrecht laufe stimmt eh!
      Wir sehen uns sicher bald und wechseln dann ein paar Worte miteinander;-)))

      lg

      Sylvie

  2. tja, über den Laufstil lässt sich gerne streiten! Was mich aber interessieren würde ist ob du nur nach dem Foto gegangen bist oder ob du meinen miesen Laufstil bei verschiedenen Rennen beobachtet hast, bevor du dieses Kommentar abgegeben hast. Auch wenn mein Laufstil nicht perfekt ist, würde ich diesen nicht als ungraziös und schwerfüßig bezeichnen. Aber ich lasse mich gerne von dir belehren. Sollten wir uns bei einer Laufveranstaltung treffen, so bitte ich dich darum mir zu zeigen wie SCHÖN Frau laufen sollte!

    lg

    Sylvie

  3. Ein genialer Beitrag, herzlichen Glückwunsch!
    Du hast recht, Frauen können Läufe genießen, während Männer viel verbissener an die Sache herangehen. Ein Mann vor dem “Besenwagen”, eine Katastrophe!
    Auffallend bei Frauen ist natürlich auch deren Laufstil, der (in den meisten Fällen) wesentlich graziöser, leichtfüßiger, erscheint. Ausgenommen Sylvie Tramoy (die du in deinem Beitrag abgebildet hast), die trotz ihrer Schnelligkeit stets nach hinten drüber zu kippen scheint.
    In Summe gesehen, es gibt halt immer und überall die kleinen Unterschiede. Gut, dass es so ist und gut, dass es einmal so klar dargestellt wurde!

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