Die Laufschuhe glühen, der Geist relaxt…

Dann und wann sucht mein Läuferin-Herz einen Trainingsort, wo:

– keine Autos an einem vorbei knallen
– es vor der Tür gleich los geht – sowohl flach, hügelig oder auch mal ordentlich bergauf
– die Luft herrlich klar ist und so richtig frisch riecht
– die Laufwege sich lieblich durch die Landschaft winden 
– ich fern von hoher Läuferfrequenz meine Runden ziehe und 
– ich dafür nicht unendliche Auto- oder Flugkilometer zurücklegen muss…
 
Also, das alles – mit leckerem Essen inklusive – am besten gleich ums Eck oder anders ausgedrückt: die eierlegende Wollmilchsau?

Mit meiner Anforderungsliste startete ich meine Suche und wurde gerade einmal 75km Luftlinie von meiner Haustüre entfernt fündig – und zwar „am Spielplatz der Natur“. Wie passen… 🙂 Dieser (Lauf)Spielplatz liegt auf 900m Seehöhe,am 11,6km langen See, in einer Sackgasse.. herrlich! Konkret: der Kärntner Weissensee. Wahrscheinlich eher bekannt von der Holländischen 11-Städtetour, dem Eisschnelllauf-Marathonrennen, die jeweils Anfang Februar am Weissensee halt macht. Ich funktioniere diesen Ort für ein paar Tage in meine Laufarena um.

Eine traumhafte Entdeckungsreise, ein Bewegen durch eine andere Welt: die Menschen und ihre Häuser scheinen hier nur Gäste zu sein. Das Grün der Wälder und Wiesen sowie das blaugrün des Sees sind die Hauptdarsteller. Sie wirken beruhigend, lassen die Seele baumeln und die gnadenlose Welt hinter den rund umliegenden Bergen draußen.

Doch für die Laufschuhe gibt es kein Erbarmen. Wobei: eigentlich können sie es kaum erwarten endlich loszurennen. Ausgeschilderte, genauso wie neu zu entdeckende Laufwege mit wenig Frequenz gibt es mehr als genug – und das in allen Schwierigkeitsgraden. Absolut flach für verträumte Regenerationsläufe oder beinharte Tempo-Hinhalter, genauso wie Hügel- bis verdammt steil bergauf Wege, wo die Muskeln sich gegenseitig duellieren, welcher denn am meisten brennt. Egal… Schmerzen vergehen, die schönen Eindrücke bleiben.

Bekanntlich wird beim Ruhen erst so richtig „trainiert“… und das lässt sich vorzüglich am See. Am Privatstrand unserer Luxusherberge fanden wir nicht nur Ruhe, sondern fast kitschige Aussichten in alle Himmelsrichtungen…Ohm…

Apropos Luxusherberge: wer sich viel bewegt, braucht nicht nur viel, sondern vor allem hochwertigen Kraftstoff. Und passend zum derzeit wohl aktuellsten Thema: OHNE EHEC!!! Nicht nur die unglaubliche Ruhe am Ende der Sackgasse, sondern auch hauseigenes Lamm, Salate aus dem eigenen Garten und ein unvergleichbares Holundergelee… im Nagglerhof war alles da, da, da… und mein Bauch jeden Abend absolut vollgeschlagen! Herrlich!

Was mir am Nagglerhof noch auffiel: dort gibt es kein Jammern, kein Murren oder schlechte Laune. Die Gastgeber haben sicher auch ihre Wehwechen und Sorgen (das Leben ist ja bekanntlich kein Kindergeburtstag) und doch legen sie eine unglaubliche Fröhlichkeit, Freundlichkeit und zugleich Gelassenheit an den Tag – ehrlich, von Aufgesetztheit keine Spur. Sie sind einfach so! Diese Mischung motiviert, tut gut und macht gleich noch mehr Freude auf die eine oder andere etwas herausfordernde Trainingseinheit. Um seine Schafe und Kühe nach einem traumhaften Sommer auf der Naggler Alm wieder sicher in den Stahl zu bekommen, rennt der Hausherr schon mal Direttissima die Skipiste hinunter… „na und, ich hatte die nächsten Tage Spatzn, aber jetzt bin ich gescheiter.. ich nehm meine Wanderstöcke mit. Dann geht’s,“ meint er nur lachend dazu… sehr gute Einstellung! Stock brauch ich keine, ich nehm die Piste beim Hinauflaufen und den geschlängelten weniger steilen Waldweg bergab. Meine Oberschenkel brennen… aber ich bin happy! Gesehen hat mich – außer Horst – keiner dabei… sehr gut 🙂 Die Laufautobahnen blieben weit weg… Einsamkeit pur… am Spielplatz der Natur!

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